Wahnsinn in Gladbach: SV Elversberg dreht 1:3 und gewinnt spektakulär mit 4:3
Was für ein Bundesliga-Abend für die SV Elversberg! Der Aufsteiger hatte bei Borussia Mönchengladbach einen 1:3-Rückstand noch in einen spektakulären 4:3-Auswärtssieg verwandelt und blieb damit auch nach seinem zweiten Bundesliga-Spiel ungeschlagen. Maurice Krattenmacher avancierte mit zwei Treffern zum Matchwinner und erzielte in der Nachspielzeit das entscheidende 4:3. Zuvor hatte die SVE eine höchst umstrittene Szene verkraften müssen: Gladbachs 2:1 fiel nach einer regelwidrigen Spielfortsetzung – der VAR durfte jedoch nicht eingreifen. SVE-Trainer Vincent Wagner sah wegen seiner Proteste später Gelb-Rot.
Nach dem sensationellen 3:2-Erfolg gegen Bayer Leverkusen zum Bundesliga-Auftakt hatte Elversberg damit das nächste Ausrufezeichen gesetzt. Diesmal bewies der Neuling vor allem eine enorme Moral.
Als Joe Scally Gladbach nach dem Seitenwechsel mit 3:1 in Führung brachte, deutete vieles auf die erste Bundesliga-Niederlage der Saarländer hin. Doch Elversberg kämpfte sich eindrucksvoll zurück. Krattenmacher verkürzte, Felix Keidel erzielte den Ausgleich – und in der Nachspielzeit schlug Krattenmacher ein zweites Mal zu.
Elversberg startet mutig – Gladbach schlägt zuerst zu
SVE-Trainer Vincent Wagner hatte keinen Grund gesehen, seine erfolgreiche Mannschaft zu verändern. Er schickte exakt jene Startelf auf den Platz, die zuvor Bayer Leverkusen mit 3:2 bezwungen hatte.
Auf der anderen Seite reagierte Gladbachs Trainer Eugen Polanski auf das 0:3 gegen Leipzig mit drei Veränderungen. Unter anderem erhielt der erst 18 Jahre alte Mathieu Nguefack seine Gelegenheit im zentralen Mittelfeld.
Elversberg begann äußerst selbstbewusst. Die Saarländer liefen die Borussia früh an, störten den Spielaufbau und versuchten insbesondere über die Außenbahnen, Druck aufzubauen.
Gladbach hielt körperlich dagegen und unterbrach mehrere vielversprechende Elversberger Angriffe frühzeitig. Die SVE hatte zunächst mehr vom Spiel, konnte ihre Überlegenheit allerdings nicht in klare Torchancen umwandeln.
Die Gastgeber zeigten sich dagegen wesentlich effizienter.
Hugo Bolin bringt Borussia Mönchengladbach in Führung
Bereits in der Anfangsphase deutete Gladbach seine Gefährlichkeit an. Nach einer Balleroberung von Hugo Bolin verpasste Tim Kleindienst eine Hereingabe von Joe Scally nur knapp.
Wenig später fiel das 1:0.
SVE-Torhüter Nicolas Kristof konnte einen Ball nicht entscheidend klären. Nguefack nahm die Situation auf und setzte den Ball kraftvoll in Richtung des zweiten Pfostens.
Dort setzte sich Bolin im Kopfballduell durch und brachte Borussia Mönchengladbach in der elften Minute in Führung.
Für den 18-jährigen Nguefack bedeutete die Aktion gleich bei seinem Startelfdebüt eine Torvorlage.
Doch nur rund eine Minute später wäre aus dem gelungenen Einstand beinahe ein folgenschwerer Fehler geworden.
Onyeka scheitert am Pfosten
Nguefack verlor den Ball unmittelbar vor dem eigenen Strafraum leichtfertig an Francis Onyeka.
Der Elversberger hatte plötzlich freie Schussbahn und hätte unmittelbar auf das 0:1 antworten können. Sein Abschluss landete jedoch am linken Pfosten.
Gladbach war gewarnt.
In der Folge gelang es den Gastgebern zwar zunehmend, die Kontrolle im Mittelfeld zu übernehmen. Gleichzeitig blieb die Borussia bei schnellen Elversberger Gegenangriffen verwundbar.
Genau das nutzte die SVE nach knapp einer halben Stunde.
David Mokwa lässt Gladbach stehen und trifft zum 1:1
Nach einem Gladbacher Ballverlust entwickelte Elversberg einen schnellen Gegenstoß.
David Mokwa setzte sich im Laufduell gegen Ko Itakura durch. Auch Kevin Diks konnte den durchgestarteten Elversberger Angreifer nicht mehr stoppen.
Mokwa blieb vor Torhüter Moritz Nicolas cool und vollendete in der 29. Minute zum 1:1.
Die Partie war wieder völlig offen.
Doch kurz vor der Halbzeit folgte die Szene, die anschließend für massive Diskussionen sorgte.
Kuriose Fehlentscheidung: Gladbachs 2:1 zählt trotzdem
Ein Zweikampf an der Seitenlinie entwickelte sich zum Ausgangspunkt des zweiten Gladbacher Treffers.
Tim Kleindienst hatte den Ball selbst ins Seitenaus befördert – führte den anschließenden Einwurf jedoch ebenfalls selbst aus. Schiedsrichter Martin Petersen ließ das Spiel weiterlaufen, obwohl die Spielfortsetzung so nicht hätte erfolgen dürfen.
Gladbach nutzte die Situation.
Über Franck Honorat gelangte der Ball zu Bolin, der flach ins rechte Eck abschloss und in der 44. Minute seinen zweiten Treffer des Abends erzielte.
2:1 für Borussia Mönchengladbach.
Auf Elversberger Seite war die Empörung groß.
Warum der VAR das Gladbacher Tor nicht zurücknehmen durfte
Besonders kurios: Obwohl der Fehler bei der Spielfortsetzung offensichtlich war, konnte Videoassistent Daniel Siebert das Tor nicht korrigieren.
Eine falsche Spielfortsetzung wie der fehlerhaft ausgeführte Einwurf gehörte nicht zu den Situationen, die nachträglich durch den VAR überprüft und korrigiert werden konnten. Ein Eingriff wäre nur möglich gewesen, wenn es im weiteren Verlauf zu einem überprüfbaren Regelverstoß gekommen wäre.
Das war nicht der Fall.
Das 2:1 blieb bestehen.
Vincent Wagner hatte sich die Szene am Spielfeldrand angesehen und protestierte heftig gegen die Entscheidung. Dafür sah der SVE-Trainer zunächst die Gelbe Karte.
Damit war die Angelegenheit allerdings noch nicht beendet.
Vincent Wagner sieht Gelb-Rot und muss auf die Tribüne
Auf dem Weg in die Halbzeitpause betrat Wagner das Spielfeld und setzte seine Proteste fort.
Der Schiedsrichter ahndete dies erneut – Wagner sah Gelb-Rot.
Der Elversberger Cheftrainer musste die zweite Halbzeit deshalb von der Gladbacher Ehrentribüne aus verfolgen.
Seine Mannschaft ließ sich von den turbulenten Ereignissen jedoch nicht aus dem Konzept bringen.
Kurz nach Wiederbeginn bot sich Lasse Günther die Möglichkeit zum Ausgleich. Moritz Nicolas verhinderte den Treffer allerdings.
Und dann schlug Gladbach erneut zu.
Joe Scally erhöht auf 3:1 – Elversberg scheint geschlagen
Joe Scally leitete die Aktion zunächst selbst mit einer Balleroberung im Mittelfeld ein.
Über Philipp Sander und Franck Honorat gelangte der Ball schließlich wieder zum US-Amerikaner. Scally vollendete den Angriff und erhöhte für Borussia Mönchengladbach auf 3:1.
Nach dem dritten Gegentreffer schien die erste Bundesliga-Niederlage der SV Elversberg nur noch schwer zu verhindern.
Doch der Aufsteiger zeigte eine bemerkenswerte Reaktion.
Statt auseinanderzufallen, erhöhten die Saarländer noch einmal die Intensität.
Krattenmacher bringt Elversberg zurück ins Spiel
Maurice Krattenmacher leitete schließlich das spektakuläre Comeback ein.
Nach einer Parade von Gladbachs Torhüter Nicolas reagierte der Elversberger am schnellsten. Im Fallen brachte Krattenmacher den Ball über die Linie und verkürzte in der 66. Minute auf 2:3.
Plötzlich war die SVE wieder im Spiel.
Elversberg spürte, dass gegen zunehmend nervöse Gladbacher noch mehr möglich war, und setzte die Gastgeber weiter unter Druck.
Die Borussia bekam die Begegnung nicht mehr richtig unter Kontrolle.
Keidel hämmert Freistoß zum 3:3 ins Tor
In der 80. Minute war der Zwei-Tore-Rückstand endgültig aufgeholt.
Nach einem Ballverlust Nguefacks bekam Elversberg einen Freistoß zugesprochen.
Gladbachs Torhüter Nicolas stellte lediglich eine Drei-Mann-Mauer. Als Felix Keidel den Ball mit Wucht auf das Tor brachte, öffnete sich die Mauer zusätzlich.
Der Schuss schlug im linken Eck ein.
3:3.
Elversberg hatte die Begegnung tatsächlich wieder ausgeglichen.
Doch der Aufsteiger wollte sich mit einem Punkt nicht zufriedengeben.
Krattenmacher vollendet den Wahnsinn in der Nachspielzeit
In der Schlussphase versuchte Gladbach noch einmal alles, um die Begegnung doch für sich zu entscheiden.
Das eröffnete Elversberg Räume.
Und die Saarländer nutzten sie eiskalt.
In der zweiten Minute der Nachspielzeit war es erneut Krattenmacher, der zuschlug. Der überragende Elversberger vollendete den Gegenangriff und erzielte das 4:3.
Die SVE hatte das Spiel komplett gedreht.
Aus einem 1:3 war innerhalb von weniger als einer halben Stunde ein 4:3 geworden.
SV Elversberg bleibt auch in der Bundesliga ungeschlagen
Wenig später war einer der spektakulärsten Siege der noch jungen Elversberger Bundesliga-Geschichte perfekt.
Nach dem sensationellen 3:2 gegen Bayer Leverkusen hatte die Mannschaft von Vincent Wagner auch Borussia Mönchengladbach geschlagen.
Zwei Spiele, zwei Siege und sechs Punkte – der Bundesliga-Neuling hatte damit einen Traumstart hingelegt.
Bemerkenswert war vor allem die Art und Weise, wie Elversberg in Gladbach zurückgekommen war. Die Mannschaft musste einen Zwei-Tore-Rückstand verkraften, hatte zuvor eine äußerst bittere Fehlentscheidung hinnehmen müssen und spielte die komplette zweite Halbzeit ohne ihren Cheftrainer an der Seitenlinie.
Trotzdem gab sich die SVE nie auf.
Krattenmacher wird mit Doppelpack zum Matchwinner
Zum entscheidenden Mann des Abends wurde Maurice Krattenmacher.
Mit seinem Treffer zum 2:3 leitete er die Aufholjagd ein. Nachdem Keidel den Ausgleich erzielt hatte, sorgte Krattenmacher in der Nachspielzeit mit seinem zweiten Tor für die endgültige Elversberger Fußball-Party.
Auch David Mokwa hatte mit seinem zwischenzeitlichen 1:1 einen wichtigen Anteil am Erfolg.
Für Gladbach war die Niederlage dagegen besonders bitter. Die Borussia hatte mit 3:1 geführt und schien auf dem Weg zum Sieg zu sein, verlor anschließend jedoch völlig die Kontrolle über die Partie.
Elversberg nutzte die sich bietenden Räume und bestrafte die Fehler der Gastgeber konsequent.
Nach dem Gladbach-Wahnsinn wartet der FC Bayern
Viel Zeit zum Feiern blieb der SV Elversberg allerdings nicht.
Nach den beiden Siegen gegen Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach wartete bereits das nächste große Highlight auf den Bundesliga-Neuling.
Am Sonntag sollte der FC Bayern München bei der SVE gastieren.
Nach sechs Punkten aus den ersten beiden Bundesliga-Partien konnte Elversberg diesem Duell allerdings mit enormem Selbstvertrauen entgegenblicken.
Schon vor dem Aufeinandertreffen mit dem deutschen Rekordmeister hatte der Aufsteiger eindrucksvoll bewiesen, dass er in der Bundesliga nicht nur angekommen war, sondern auch gegen etablierte Mannschaften bestehen konnte.
Der spektakuläre 4:3-Erfolg in Mönchengladbach lieferte dafür den nächsten eindrucksvollen Beweis.
Endstand: Borussia Mönchengladbach – SV Elversberg 3:4 (2:1)
Tore: 1:0 Hugo Bolin (11.), 1:1 David Mokwa (29.), 2:1 Hugo Bolin (44.), 3:1 Joe Scally, 3:2 Maurice Krattenmacher (66.), 3:3 Felix Keidel (80.), 3:4 Maurice Krattenmacher (90.+2)
Besonderes Vorkommnis: SVE-Trainer Vincent Wagner sah nach seinen Protesten rund um das umstrittene Gladbacher 2:1 Gelb-Rot und musste die zweite Halbzeit von der Tribüne verfolgen.