Keine Industrieware: So wird bei Hofferberth heute noch echtes Bäckerhandwerk gelebt "Teil 2"
Rüsselsheim/Flörsheim. Wenn viele Menschen noch schlafen, beginnt bei der Bäckerei Hofferberth längst der nächste Arbeitstag. Bereits um 23 Uhr startet in der Backstube in Rüsselsheim die Produktion. Wenige Stunden später folgt die zweite Schicht.
Hinter den fertigen Broten, Brötchen und Gebäcken steckt damit deutlich mehr Arbeit, als Kunden beim morgendlichen Einkauf sehen.
Die traditionsreiche Bäckerei setzt bewusst auf echtes Handwerk statt Industrieware. Brote werden von Grund auf selbst hergestellt, Teige von Hand beurteilt und Produkte nach eigenen Rezepturen gebacken.
Die Produktion beginnt bereits um 23 Uhr
Damit morgens frische Backwaren in den Geschäften liegen, startet die Arbeit bereits am späten Abend.
Die erste Produktionsschicht beginnt um 23 Uhr.
Um 2:30 Uhr startet die zweite Schicht.
Während draußen vielerorts noch Ruhe herrscht, laufen in der Backstube in der Haßlocher Straße 156 bereits Mixer, Öfen und Arbeitsabläufe auf Hochtouren.
Bis die ersten Kunden am Morgen das Geschäft betreten, liegen damit bereits viele Stunden Arbeit hinter dem Team.
31 Mitarbeitende halten den Betrieb am Laufen
Aktuell beschäftigt Hofferberth insgesamt 31 Mitarbeitende.
Dazu gehören Verkauf, Produktion und Verwaltung.
Besonders wichtig ist dem Unternehmen auch die Ausbildung junger Menschen.
Aktuell gehören zwei Auszubildende im Bäckerhandwerk zum Team.
Für Hofferberth ist das ein wichtiger Bestandteil der eigenen Zukunft.
Denn das klassische Bäckerhandwerk steht seit Jahren vor der Herausforderung, Nachwuchs für einen Beruf zu gewinnen, der viel Fachwissen, frühe Arbeitszeiten und echtes handwerkliches Können verlangt.
Der Betrieb versteht Ausbildung deshalb nicht als Nebensache, sondern als Investition in die nächste Generation.
Mehl, Wasser, Salz und Zeit
Die Philosophie des Unternehmens klingt zunächst einfach.
Für gutes Brot brauche es vor allem Mehl, Wasser, Salz, Hefe oder Sauerteig – und ausreichend Zeit.
Gerade diese Zeit ist entscheidend.
Die Bäckerei verzichtet nach eigenen Angaben auf künstliche Zusätze und stellt ihre Brote von Grund auf selbst her.
Die Zutaten werden von Hand abgewogen. Während des Knetens beurteilen die Bäcker den Teig selbst. Anschließend werden die Brote von Hand aufgearbeitet und in der eigenen Backstube gebacken.
Damit entscheidet nicht allein eine Maschine über den Produktionsablauf.
Erfahrung, Gefühl und Fachwissen spielen weiterhin eine zentrale Rolle.
Keine Industrieware, sondern echtes Bäckerhandwerk
Genau darin sieht Hofferberth einen entscheidenden Unterschied zu industriell produzierten Backwaren.
Der Betrieb möchte bewusst kein standardisiertes Massenprodukt herstellen.
Jeder Teig reagiert unterschiedlich.
Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Ruhezeiten und die Qualität der Zutaten können Einfluss auf das Ergebnis nehmen.
Diese Unterschiede zu erkennen und richtig darauf zu reagieren, gehört zum klassischen Bäckerhandwerk.
Die handwerkliche Herstellung braucht mehr Zeit und Personal – soll dafür aber einen Unterschied bei Geschmack, Kruste, Konsistenz und Haltbarkeit ermöglichen.
Wechselndes Vollkornsortiment gehört fest zum Angebot
Schon in den frühen Jahren der Bäckerei gehörten Vollkornbrote zum Sortiment.
Diese Tradition wird bis heute fortgeführt.
Hofferberth bietet ein wechselndes Vollkornsortiment an.
Damit sollen Kunden regelmäßig unterschiedliche Brote entdecken können, während Vollkornprodukte gleichzeitig ein fester Bestandteil des Angebots bleiben.
Das Jubiläumsbrot 1910 gehört zu den Verkaufsschlagern
Zu den besonders beliebten Produkten zählt das Jubiläumsbrot 1910.
Der Name erinnert an das Gründungsjahr der Bäckerei.
Das Brot wird mit einem dreistufigen Sauerteig hergestellt und kommt vollständig ohne Backhefe aus.
Gerade dieser mehrstufige Sauerteig verlangt Zeit und Erfahrung.
Das Jubiläumsbrot 1910 wird von Montag bis Samstag angeboten.
Damit verbindet eines der wichtigsten Produkte des heutigen Sortiments die moderne Bäckerei direkt mit ihrer eigenen Geschichte.
Italienisches Landbrot ebenfalls stark gefragt
Ein weiterer Verkaufsschlager ist das italienische Landbrot.
Auch dieses Brot gehört von Montag bis Samstag zum festen Angebot.
Damit zeigt sich zugleich, wie Hofferberth Tradition und neue Einflüsse miteinander verbindet.
Während manche Produkte fest mit der regionalen Geschichte verbunden sind, finden sich daneben Brote, die von internationalen Backtraditionen inspiriert sind.
Baguette nach französischem Originalrezept
Besonders interessant wird es freitags und samstags.
Dann gibt es bei Hofferberth zusätzlich das Baguette de Tradition.
Dieses wird nach einem französischen Originalrezept hergestellt.
Eine Besonderheit ist dabei auch das verwendete Mehl.
Es stammt nach Angaben des Betriebs aus einer Pariser Mühle.
Damit orientiert sich das Baguette bewusst an französischer Backtradition und soll sich von klassischen Standard-Baguettes unterscheiden.
Das Baguette de Tradition wird ausschließlich freitags und samstags angeboten.
Haddekuchen: Ein Stück regionale Backtradition
Neben Brot spielen bei Hofferberth auch regionale Spezialitäten eine wichtige Rolle.
Ein Beispiel dafür ist der Haddekuchen.
Das traditionelle Gebäck gibt es bei Hofferberth das ganze Jahr über.
Für den Betrieb ist es mehr als nur ein Produkt im Sortiment.
Solche Spezialitäten gehören zur regionalen Esskultur und sind für viele Kunden mit Erinnerungen, Familie und Heimat verbunden.
Genau deshalb möchte Hofferberth diese Tradition erhalten.
Biskuiteier gehören zur Osterzeit einfach dazu
Ein weiteres traditionsreiches Produkt sind die Biskuiteier.
Sie werden in der Zeit vor Ostern angeboten.
Auch sie stehen exemplarisch für den Anspruch, regionale und saisonale Traditionen nicht verschwinden zu lassen.
Statt lediglich auf moderne Trends zu setzen, möchte die Bäckerei Produkte erhalten, die seit Generationen zur Region gehören.
Tradition bedeutet nicht Stillstand
Gleichzeitig soll die Geschichte des Unternehmens kein Grund sein, sich neuen Ideen zu verschließen.
Hofferberth versteht sich als traditioneller Handwerksbetrieb, der offen für neue Produkte und Entwicklungen bleibt.
Das zeigt sich beispielsweise beim italienischen Landbrot oder beim französischen Baguette de Tradition.
Regionale Klassiker und internationale Backtraditionen stehen damit nebeneinander.
Mitarbeitende sind ein entscheidender Teil der Philosophie
Für die Bäckerei endet Qualität nicht an der Backstubentür.
Auch der Service im Geschäft gehört für den Betrieb zum Gesamterlebnis.
Ein gutes Brot allein reiche nicht aus, wenn Kunden sich im Geschäft nicht willkommen fühlen.
Deshalb legt Hofferberth nach eigenen Angaben großen Wert auf ein gutes Miteinander im Team sowie einen freundlichen und herzlichen Umgang mit den Kunden.
Wer einen großen Teil seines Tages bei der Arbeit verbringt, soll sich dort wohlfühlen.
Diese Haltung soll sich wiederum auch auf den Umgang mit den Kunden übertragen.
Die Bäckerei als Treffpunkt für die Nachbarschaft
Hofferberth möchte seine Geschäfte nicht ausschließlich als Verkaufsstellen verstehen.
Sie sollen auch Orte sein, an denen sich Menschen begegnen.
Nachbarn treffen sich, Stammkunden kommen ins Gespräch und Bekannte begegnen sich beim täglichen Einkauf.
Gerade darin sieht das Unternehmen einen wichtigen Bestandteil einer klassischen Stadtbäckerei.
Eine Bäckerei soll zur Nachbarschaft gehören und nicht austauschbar sein.
Regionale Lieferanten und bewusster Qualitätsanspruch
Auch bei der Beschaffung setzt Hofferberth nach eigenen Angaben auf regionale Lieferanten und einen hohen Anspruch an die verwendeten Produkte.
Diese Art zu backen ist aufwendiger als industrielle Herstellung.
Sie braucht Zeit, Personal und hochwertige Zutaten.
Das hat entsprechend seinen Preis.
Der Betrieb möchte seinen Kunden deshalb vermitteln, wofür sie bezahlen: für Zutaten, Zeit, Fachwissen, handwerkliche Arbeit und die Menschen, die hinter den Produkten stehen.
Öffnungszeiten an sieben Tagen in der Woche
Die beiden Geschäfte in Rüsselsheim und Flörsheim sind an allen sieben Tagen geöffnet.
Montag bis Freitag: 6 bis 18 Uhr
Samstag: 6 bis 12:30 Uhr
Sonntag: 8 bis 11 Uhr
Damit können Kunden auch am Wochenende frische Backwaren aus der eigenen Produktion erhalten.
Der Anspruch bleibt hoch
Auch mehr als 115 Jahre nach der Gründung verfolgt Hofferberth ein klares Ziel.
Der Betrieb möchte eigenständig bleiben, echtes Handwerk bewahren und gleichzeitig offen für neue Ideen sein.
Traditionelle Produkte sollen erhalten werden, neue Brote dürfen hinzukommen und die Ausbildung junger Fachkräfte soll dazu beitragen, dass das Wissen des Bäckerhandwerks weitergegeben wird.
Das Ziel formuliert die Bäckerei bewusst selbstbewusst:
Man möchte das beste Brot im Umkreis backen und die beste Bäckerei der Stadt sein.
Ob Jubiläumsbrot 1910, italienisches Landbrot, Haddekuchen oder Baguette de Tradition – hinter den Produkten stehen heute 31 Mitarbeitende, eine Backstube, die jede Nacht um 23 Uhr ihre Arbeit aufnimmt, und eine Geschichte, die bereits 1910 begann.
Und vielleicht ist genau das der Unterschied zwischen Industrieware und echtem Handwerk: Man sieht nicht jede einzelne Arbeitsstunde – aber man kann sie am Ende schmecken.
Ein kleiner Einblick gibt es hier