Kuba bereitet Bevölkerung auf möglichen Angriff vor – Energiekrise und Spannungen mit den USA verschärfen sich
Regierung veröffentlicht Zivilschutz-Leitfaden – Kubaner reagieren mit Sorge und Kritik
Havanna/Washington. Die Spannungen zwischen Kuba und den USA verschärfen sich weiter. Die kubanische Regierung hat nun einen offiziellen Leitfaden veröffentlicht, der die Bevölkerung auf mögliche militärische Angriffe vorbereiten soll. Hintergrund sind zunehmende politische Drohungen aus den Vereinigten Staaten sowie die sich zuspitzende Wirtschafts- und Energiekrise auf der Karibikinsel.
Das neunseitige Dokument des kubanischen Zivilschutzes enthält konkrete Handlungsempfehlungen für den Ernstfall. Bürgerinnen und Bürger sollen demnach unter anderem Lebensmittel, Wasser, Medikamente und wichtige Dokumente bereithalten sowie bei Luftalarm sofort Schutzräume oder sichere Orte aufsuchen.
Massive Stromausfälle belasten Bevölkerung
Die Veröffentlichung des Leitfadens fällt in eine Zeit schwerer wirtschaftlicher und infrastruktureller Probleme. Kuba steckt derzeit in einer tiefen Energiekrise. Wegen fehlender Brennstoffe und einer maroden Strominfrastruktur kann das Land nach offiziellen Angaben nur rund ein Drittel seines Energiebedarfs decken.
In vielen Regionen dauern Stromausfälle mittlerweile bis zu 22 Stunden täglich. Erst vor wenigen Tagen war das Stromnetz in weiten Teilen des Landes erneut zusammengebrochen.
Zwar konnte die Stromversorgung inzwischen weitgehend wiederhergestellt werden, doch die Lage bleibt angespannt.
Proteste gegen Versorgungskrise
Die zunehmenden Probleme haben zuletzt zu Protesten geführt. Ende vergangener Woche gingen Hunderte Menschen auf die Straße, um gegen die Energiekrise, die schlechte Versorgungslage und die anhaltenden Stromausfälle zu demonstrieren.
Die Bevölkerung leidet zunehmend unter der wirtschaftlichen Notlage. Supermärkte sind vielerorts leer, Medikamente fehlen und zahlreiche Krankenhäuser arbeiten nur eingeschränkt.
Kritik an Empfehlungen der Regierung
Im Internet sorgte der veröffentlichte Krisenleitfaden für zahlreiche kritische Reaktionen. Viele Kubaner machen sich in sozialen Netzwerken über die Empfehlungen lustig oder äußern Verzweiflung.
Der zentrale Vorwurf: Wer kaum Zugang zu Lebensmitteln oder Medikamenten habe, könne auch keine Notfallvorräte anlegen.
Besonders auf Facebook kritisierten Nutzer, dass die Regierung zwar Empfehlungen für den Kriegsfall gebe, gleichzeitig aber die Grundversorgung der Bevölkerung nicht sicherstellen könne.
Neue Spannungen mit den USA
Parallel dazu verschärft die US-Regierung ihren politischen Druck auf Kuba weiter. Nach Berichten aus Regierungskreisen plant das US-Justizministerium offenbar strafrechtliche Schritte gegen den früheren kubanischen Präsidenten Raúl Castro.
Zudem wirft die kubanische Regierung den USA vor, durch Sanktionen und blockierte Öltransporte die Krise weiter zu verschärfen.
Die Beziehungen zwischen Havanna und Washington gelten seit Monaten als stark belastet.