Eintracht bricht nach der Pause ein: Augsburg dreht Spiel in Frankfurt und gewinnt 4:1
Was für ein bitterer Abend für Eintracht Frankfurt: Nach einer starken ersten Halbzeit und einer hochverdienten Führung verlor die SGE ihr Bundesliga-Heimspiel gegen den FC Augsburg noch deutlich mit 1:4 (1:0). Jonathan Burkardt hatte Frankfurt früh in Führung gebracht, doch unmittelbar nach der Pause kippte die Partie innerhalb von nur zwei Minuten komplett. Augsburg schlug viermal zu und bescherte der Eintracht eine empfindliche Niederlage.
Eintracht Frankfurt mit drei Veränderungen gegen Augsburg
Eintracht-Trainer Adi Hütter veränderte seine Mannschaft für das zweite Bundesligaspiel der Saison auf drei Positionen.
Neuzugang Lilian Brassier, der von Stade Rennes nach Frankfurt gewechselt war, feierte in der Innenverteidigung sein Debüt und verdrängte Maluze zunächst auf die Bank. Mario Götze rückte anstelle von Farès Chaibi auf die Doppelsechs.
Auch auf der offensiven Außenbahn gab es eine Veränderung. Ritsu Doan begann anstelle von Ayoube Amaimouni-Echghouyab. Der Japaner hatte sich unter der Woche aus persönlichen Gründen gegen einen Wechsel nach Saudi-Arabien entschieden und war bei der Eintracht geblieben.
Augsburg war mit viel Selbstvertrauen nach Frankfurt gereist. Der FCA hatte zum Bundesliga-Auftakt einen überzeugenden 3:0-Erfolg gegen Schalke gefeiert. Matchwinner Kade, der dabei ein Tor erzielt und einen weiteren Treffer vorbereitet hatte, musste allerdings aufgrund muskulärer Probleme passen. Für ihn rückte Bayern-Leihgabe Arijon Ibrahimovic in die Startelf.
Für Hütter war die Partie zugleich eine Rückkehr an eine bestens bekannte Wirkungsstätte. Bereits von 2018 bis 2021 hatte der Österreicher die Eintracht trainiert. Sein zuvor letztes Bundesliga-Heimspiel als Frankfurter Coach hatte er am 22. Mai 2021 mit 3:1 gegen den SC Freiburg gewonnen.
Frankfurt übernimmt sofort die Kontrolle
Schiedsrichter Daniel Schlager gab die Partie frei – und die Eintracht benötigte praktisch keine Anlaufzeit.
Bereits in den ersten Minuten kombinierte sich Frankfurt gefällig an den Augsburger Strafraum. Die Gastgeber präsentierten sich ballsicher, aggressiv und mit deutlich mehr Zug zum Tor.
Augsburg bekam kaum Zugriff auf die Partie.
Schon in der sechsten Minute wurde die starke Frankfurter Anfangsphase belohnt.
Can Uzun spielte einen präzisen Steilpass auf Younes Ebnoutalib. Der Angreifer nahm auf der halblinken Seite Tempo auf, schlug am Strafraum einen Haken und brachte anschließend eine überlegte Flanke an den langen Pfosten.
Dort stieg Jonathan Burkardt im Luftduell mit Behrens hoch und köpfte den Ball ins rechte Eck.
1:0 für Eintracht Frankfurt – und die frühe Führung war zu diesem Zeitpunkt absolut verdient.
Burkardt trifft – Eintracht drängt sofort auf das 2:0
Frankfurt gab sich mit dem Führungstreffer nicht zufrieden.
Die Mannschaft spielte weiter nach vorne und setzte die Augsburger Defensive unter erheblichen Druck. In der zwölften Minute tauchte Ebnoutalib erneut im Strafraum auf. Banks verhinderte mit einem starken Tackling eine weitere Großchance.
Der FCA konnte sich in dieser Phase vor allem bei Torhüter Finn Dahmen bedanken, dass der Rückstand nicht schnell größer wurde.
Frankfurt spielte mit Tempo, Spielfreude und hoher Einsatzbereitschaft. Augsburg hingegen wirkte vom Auftreten der Gastgeber zunächst überfordert.
Erst in der 24. Minute wurde es erstmals etwas gefährlicher im Frankfurter Strafraum. Behrens kam aus halblinker Position zum Abschluss, sein abgefälschter Versuch brachte den Gästen zumindest einen Eckball ein.
Eintracht lässt Chancen auf höhere Führung liegen
Vier Minuten später lag das 2:0 wieder in der Luft.
Nach einer Ecke von Uzun faustete Dahmen den Ball in den Rückraum. Onyedika zog wuchtig ab, doch der Augsburger Schlussmann ließ den Ball lediglich nach vorne abprallen. Anschließend gelang es der FCA-Defensive mit vereinten Kräften, die Situation zu bereinigen.
Nach einer halben Stunde änderte sich am grundsätzlichen Bild wenig.
Frankfurt war klar die bessere Mannschaft, zeigte Leidenschaft und Spielfreude und kontrollierte das Geschehen. Augsburg fand offensiv kaum statt und hatte große Probleme, selbst längere Ballbesitzphasen zu entwickeln.
Die Eintracht versäumte es jedoch, aus ihrer Überlegenheit Kapital zu schlagen.
Kurz vor der Pause bot sich noch einmal eine gute Gelegenheit. Doan steckte den Ball zu Ebnoutalib in den Strafraum. Uzun startete mit und wäre eine mögliche Anspielstation gewesen, doch Ebnoutalib entschied sich für den eigenen Abschluss und verfehlte das Tor.
Nur 1:0 zur Pause – Frankfurt belohnt sich nicht ausreichend
Nach 45 Minuten musste sich die Eintracht eigentlich nur einen Vorwurf gefallen lassen: Sie hatte aus ihrer deutlichen Überlegenheit zu wenig gemacht.
Augsburg war offensiv bis auf wenige Ausnahmen kaum in Erscheinung getreten. Frankfurt bestimmte dagegen über weite Strecken das Tempo, gewann wichtige Zweikämpfe und erspielte sich mehrere Möglichkeiten.
Das 1:0 zur Halbzeit schmeichelte eher den Gästen.
Doch was anschließend geschah, stellte den bisherigen Spielverlauf innerhalb kürzester Zeit komplett auf den Kopf.
Wahnsinn nach der Pause: Augsburg dreht das Spiel binnen zwei Minuten
Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, war die Frankfurter Führung dahin.
Marius Wolf brachte den Ball von der rechten Seite in den Strafraum. Die Hereingabe wirkte zunächst nicht sonderlich gefährlich, doch die Frankfurter Defensive war nicht richtig sortiert.
Ibrahimovic nahm die Bogenlampe auf und köpfte Baum an. Von dessen Kopf sprang der Ball ins linke untere Eck.
1:1 unmittelbar nach Wiederbeginn.
Für Ibrahimovic war es ein besonderes Erfolgserlebnis bei seinem Augsburger Debüt.
Doch bevor Frankfurt diesen Rückschlag überhaupt verarbeiten konnte, lag der Ball schon wieder im eigenen Tor.
Gregoritsch schickte Ibrahimovic auf der halblinken Seite in den Lauf. Dessen Abschluss in Richtung rechtes Eck wirkte eigentlich harmlos. Eintracht-Keeper Noah Atubolu tauchte ab und schien den Ball bereits sicher zu haben.
Doch der Torhüter ließ ihn wieder fallen.
Fellhauer hatte die Situation aufmerksam verfolgt, reagierte am schnellsten und staubte ab.
1:2 – Augsburg hatte die Partie innerhalb von weniger als zwei Minuten komplett gedreht.
Eintracht nach dem Doppelschlag völlig von der Rolle
Die Frankfurter wirkten plötzlich wie ausgewechselt.
Von der Sicherheit, Spielfreude und Dominanz der ersten Halbzeit war zunächst kaum noch etwas zu erkennen. Stattdessen übernahm Augsburg immer stärker die Kontrolle und drängte sogar auf den dritten Treffer.
Frankfurt versuchte in der 50. Minute zu antworten. Nach einer Hereingabe von Ebnoutalib rutschte Dahmen bei seiner Rettungsaktion in Burkardt hinein. Schiedsrichter Schlager ließ jedoch weiterspielen, weil der Augsburger Torhüter zuvor den Ball gespielt hatte.
Auf der anderen Seite musste Atubolu in der 58. Minute einen noch höheren Rückstand verhindern.
Gregoritsch legte sich den Ball zentral vor dem Strafraum auf seinen linken Fuß und schlenzte ihn gefährlich in Richtung linkes oberes Eck. Atubolu machte sich lang und parierte stark.
Claude-Maurice trifft zum 3:1 – Augsburg zieht davon
In der 65. Minute konnte aber auch der Frankfurter Schlussmann nichts mehr ausrichten.
Massengo spielte den Ball zu Alexis Claude-Maurice. Die Eintracht ließ dem eingewechselten Franzosen viel zu viel Raum.
Claude-Maurice drehte auf, zog von halblinks in den Strafraum und schlenzte den Ball sehenswert ins rechte Eck.
1:3 aus Sicht von Eintracht Frankfurt.
Der Treffer war sinnbildlich für den zweiten Durchgang. Während Frankfurt in der ersten Hälfte aggressiv in die Zweikämpfe gegangen war und den Gegner kaum zur Entfaltung hatte kommen lassen, bekam Claude-Maurice vor dem dritten Augsburger Tor praktisch keinen entscheidenden Druck.
Die Partie drohte der Eintracht nun endgültig zu entgleiten.
Frankfurt findet keinen Weg zurück ins Spiel
Hütter versuchte, seiner Mannschaft noch einmal neue Impulse zu geben. Unter anderem kam der mittlerweile 36-jährige Timothy Chandler ins Spiel.
Und Chandler war unmittelbar präsent. In der 70. Minute tauchte er über die rechte Seite im Augsburger Strafraum auf, traf den Ball beim Abschluss allerdings nicht richtig.
Eine große Frankfurter Aufholjagd entwickelte sich daraus nicht.
Stattdessen blieb Augsburg gefährlich und arbeitete am nächsten Treffer. In der 80. Minute versuchte es Kömür aus spitzem Winkel, Brassier verhinderte mit einer Grätsche Schlimmeres und klärte zur Ecke.
Die Gäste hatten die Begegnung zu diesem Zeitpunkt längst unter Kontrolle.
Rieder setzt mit Traumfreistoß den Schlusspunkt
Kurz vor dem Ende wurde es für die Eintracht noch bitterer.
Augsburg erhielt in der 89. Minute einen Freistoß aus knapp 20 Metern in zentraler Position. Fabian Rieder trat an – und verwandelte den Standard sehenswert.
Mit viel Gefühl zirkelte Rieder den Ball ins rechte obere Eck. Atubolu war machtlos.
1:4.
Es war der eindrucksvolle Schlusspunkt unter eine zweite Halbzeit, die aus Frankfurter Sicht kaum schlechter hätte verlaufen können.
Zwei völlig unterschiedliche Halbzeiten in Frankfurt
Die Geschichte dieser Begegnung ließ sich klar in zwei Abschnitte teilen.
Die ersten 45 Minuten gehörten Eintracht Frankfurt. Die zweiten 45 Minuten gehörten dem FC Augsburg.
Frankfurt hatte vor der Pause nahezu alles im Griff. Burkardt sorgte früh für das 1:0, die SGE kombinierte schnell, spielte mit Leidenschaft und hätte angesichts ihrer Möglichkeiten deutlich höher führen können.
Genau das rächte sich.
Augsburg kam wie verwandelt aus der Kabine und benötigte nicht einmal zwei Minuten, um aus einem 0:1 ein 2:1 zu machen. Ibrahimovic leitete mit seinem Treffer die Wende ein, Fellhauer nutzte unmittelbar danach Atubolus folgenschweren Fehler.
Frankfurt verlor nach diesem Doppelschlag zunehmend den Zugriff auf die Begegnung. Claude-Maurice erhöhte auf 3:1, ehe Rieder mit seinem sehenswerten Freistoß zum 4:1 den Schlusspunkt setzte.
Eintracht erlebt nach starker erster Hälfte ein böses Erwachen
Für Frankfurt war die deutliche Niederlage besonders bitter, weil sie nach dem Verlauf der ersten Halbzeit kaum vorhersehbar gewesen war.
Die Eintracht hatte die Chance, das Spiel bereits vor dem Seitenwechsel in eine klare Richtung zu lenken. Stattdessen ging es lediglich mit einem 1:0 in die Kabinen.
Augsburg nutzte diese Gelegenheit nach Wiederbeginn gnadenlos.
Aus Frankfurter Dominanz wurde innerhalb weniger Minuten Unsicherheit, aus einer verdienten Führung ein Rückstand – und am Ende aus einem zunächst überzeugenden Heimauftritt eine deutliche 1:4-Niederlage.
Der FCA hingegen bestätigte nach seinem 3:0 zum Saisonauftakt seinen starken Start. Vor allem die Reaktion nach einer schwachen ersten Halbzeit beeindruckte: Vier Treffer nach der Pause drehten eine Partie, die zuvor fast vollständig in Frankfurter Hand gewesen war.
Endstand: Eintracht Frankfurt – FC Augsburg 1:4 (1:0)
Tore: 1:0 Burkardt (6.), 1:1 Ibrahimovic (46.), 1:2 Fellhauer (47.), 1:3 Claude-Maurice (65.), 1:4 Rieder (89.)