04 Dezember 2021

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Zwei Freunde – eine Erkrankung. Hoher Blutdruck auch für Katzen gefährlich

Zu wenig Bewegung, ungesunde Ernährung, Übergewicht und Stress gehören neben Erbanlagen zu den Hauptrisikofaktoren für Menschen, an Bluthochdruck zu erkranken. Bleibt das Leiden unbehandelt, drohen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Doch nicht nur wir sind von Bluthochdruck betroffen, auch unsere Tiere können darunter leiden. Bei den beliebtesten Haustieren in Deutschland, den Katzen, sind vor allem Tiere ab sieben Jahre gefährdet. Unbehandelt kann ein zu hoher Blutdruck auch bei Stubentigern fatale Folgen für die Gesundheit haben. Besonders gemein: Häufig sind bei Mensch und Tier keine warnenden Anzeichen für die Erkrankung zu sehen, deshalb nennt man die Hypertonie auch den „stillen Killer“.

Hausarzt Dr. Tobias Lange und Tierärztin Dr. Angelika Drensler antworten in unserem Interview auf die wichtigsten Fragen zu der Erkrankung. Dr. Lange ist Facharzt für Innere Medizin sowie Kardiologie und betreibt eine internistische Gemeinschaftspraxis in Pinneberg. Dr. Drensler ist Fachtierärztin für Kleintiere, leitet eine zertifizierte katzenfreundliche Kleintierpraxis in Elmshorn und engagiert sich u.a. für die Expertengruppe Deutsche Gruppe Katzenmedizin.

Wer ist besonders gefährdet, an Bluthochdruck zu erkranken?

Dr. Lange: Zu den bereits vorgestellten Hauptrisikofaktoren wie Bewegungsmangel, Übergewicht und genetischen Vorbelastungen gehört beim Menschen auch das Alter. Während die Erkrankung bei jungen Menschen eher selten auftritt, sind im Alter von 70 bis 80 Jahre etwa 75 % der Bevölkerung von einem zu hohen Blutdruck betroffen. Dr. Drensler: Auch bei Katzen spielt das Alter durchaus eine Rolle. Studien zeigen, dass mehr als jede sechste Katze im Alter von über sieben Jahren einen zu hohen Blutdruck hat. Bei Tieren mit einer chronischen Nierenerkrankung oder einer Krankheit der Schilddrüse ist das Risiko sogar noch höher: Bei etwa jeder dritten Katze mit diesen Vorerkrankungen messen wir zu hohe Blutdruckwerte.

Welche Anzeichen gibt es für Bluthochdruck?

Dr. Drensler: Leider entwickelt sich ein zu hoher Blutdruck im Verborgenen ohne besondere Alarmsignale für den Besitzer. Die Katze kann äußerlich vollkommen gesund erscheinen, während der zu hohe Blutdruck innerlich bereits Schaden anrichtet.

Dr. Lange: Beim Menschen ist es ähnlich, deswegen wird die Erkrankung ja auch häufig als der „stille Killer“ bezeichnet. Es können jedoch auch Symptome wie beispielsweise Kopfschmerzen, Nervosität oder innere Unruhe auftreten, die von den Patienten häufig gar nicht sofort mit einem hohen Blutdruck in Verbindung gebracht werden.

Warum ist ein zu hoher Blutdruck so gefährlich?

Dr. Lange: Ist der Druck auf das Gefäßsystem dauerhaft zu hoch, werden Schlüsselorgane wie das Herz oder auch das Gehirn überlastet. Außerdem altern die Gefäße durch die zu hohe Belastung viel schneller und es kommt früher zu verengten Arterien, der sogenannten Arteriosklerose. Das Risiko für Organschäden oder insbesondere einen Schlaganfall oder Herzinfarkt nimmt damit enorm zu.

Dr. Drensler: Bei den Tieren kann ein anhaltender Bluthochdruck ebenfalls zu schweren Organschäden führen. Eine häufige Folge bei Katzen ist beispielsweise die Erblindung. Denn ein zu hoher Blutdruck im Auge kann Blutungen in oder sogar die Ablösung der Netzhaut verursachen. Beides führt zu einem vollständigen Verlust des Sehvermögens. Aber auch bei Katzen sind Schäden an Nieren, Herz und Gehirn zu befürchten, wenn der Bluthochdruck nicht erkannt wird.

Wie oft sollte der Blutdruck kontrolliert werden?

Dr. Lange: Spätestens ab dem 40. Lebensjahr sollte jährlich eine Blutdruckkontrolle erfolgen – so empfiehlt es die beispielsweise auch die Deutsche Herzstiftung. Bei chronisch kranken Personen ist die regelmäßige Kontrolle jedoch schon früher angezeigt.

Dr. Drensler: Bei Katzen sollte die Blutdruckmessung ab einem Alter von sieben Jahren einmal jährlich in der Tierarztpraxis erfolgen. Das ist ein einfaches, schnelles und schmerzfreies Verfahren genauso wie beim Menschen. Eine kleine aufblasbare Manschette wird um das Bein oder den Schwanz der Katze gelegt und der Blutdruck kann sofort abgelesen werden. Die meisten Katzen lassen sich die Untersuchung sehr gut gefallen und akzeptieren diese ohne Probleme.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Bluthochdruck?

Dr. Lange: Häufig sehen wir bereits sehr gute Effekte, wenn der Patient seinen Lebensstil anpasst. Reduzieren von Übergewicht, Verzicht auf Rauchen und mehr Bewegung können helfen, den Blutdruck wieder zu normalisieren. Reichen diese Maßnahmen nicht aus oder ist der Druck sehr hoch, stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung, die den Blutdruck auf ein gesundes Maß senken.

Dr. Drensler: Falls bei einer Katze ein zu hoher Blutdruck festgestellt wird, gibt es, je nach Ursache, wirksame Therapiemöglichkeiten, die den Blutdruck senken und Folgekrankheiten verhindern. Wichtig hierbei ist die individuelle Einstellung der Medikation auf den Patienten und auch weiterhin die regelmäßige Kontrolle des Blutdruckes.

Was wünschen Sie sich von Ihren Patienten?

Dr. Drensler: Bei dieser Erkrankung ist Vorbeugung der Schlüssel zum Erfolg. Denn wird der Bluthochdruck früh erkannt und behandelt, kann das Eintreten der genannten Organschäden meist verhindert werden. Ich rate Katzenhaltern daher, die regelmäßigen Blutdruckkontrollen bei ihrem Tier wahrzunehmen und auf ein gesundes Gewicht bei ihrem Vierbeiner zu achten. Mit dieser denkbar einfachen Routine kann die Lebensqualität der Katzen bis ins hohe Alter gefördert werden.

Dr. Lange: Dem kann ich nur zustimmen. Ein gesunder Lebensstil kann helfen, einen zu hohen Blutdruck gar nicht erst entstehen zu lassen. Dazu gehören z. B. regelmäßige Bewegung, gesundes Gewicht, Verzicht auf Rauchen und das Reduzieren von Stress. Und falls ein Bluthochdruck festgestellt wird, wünsche ich mir, dass meine Patienten die Diagnose ernst nehmen, auch wenn sie keine Symptome bemerken. Denn dies kann Leben retten.

Original-Content von: CEVA Tiergesundheit

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