02 Dezember 2021

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Über dem Konsum von Alkohol brauen sich dunkle Wolken zusammen

Neuere Untersuchungen belegen die gravierenden Risiken von Alkohol – auch in niedrigen Mengen. Es ist an der Zeit, unsere Sichtweise auf Alkohol neu zu justieren, insbesondere um Krebs vorzubeugen.

Seit Jahrtausenden trinken Menschen Wein und Bier, ob zum Feiern oder im Alltag zum Essen. Hippokrates schätzte Alkohol als schmerzlinderndes Allheilmittel. Der vom Alkohol ausgelöste Glückszustand gehört zu unserer kulturellen DNA. Institutionen zur Gesundheitsvorsorge geben Grenzwerte heraus, bis zu denen der Konsum von Alkohol unschädlich sein soll.

Der bedenkenlose Genuss von Alkohol könnte jedoch bald der Vergangenheit angehören. Die Beurteilung von Alkohol und dessen Risiken kippt derzeit aus medizinischer Sicht. Das Glas Rotwein am Abend, das lange als für das Herz förderlich galt, ist inzwischen umstritten. Ärzte rücken immer stärker ab von einem wohlmeinenden Bild des Alkoholgenusses auch in geringen Mengen. Stattdessen, so Prof. Dr. Curt Diehm, Ärztlicher Direktor der renommierten Max Grundig Klink, „müssen wir uns damit vertraut machen, dass Alkohol heute zur schrecklichsten Droge der Welt geworden ist, weil er überall für wenig Geld und legal zu haben ist.“

Insbesondere neue Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen Alkohol und Krebs tragen zu einem sich ankündigenden Paradigmenwechsel bei. Die Weltgesundheitsorganisation listet heute bereits Alkohol als Risikofaktor für die Entstehung von Krebs an vorderster Stelle auf. Prof. Dr. Curt Diehm sagt: „Dem Alkohol droht, was wir bei der Zigarette in den vergangenen zwei Jahrzehnten beobachten konnten. Ein Produkt, das aus gesundheitlichen Gründen für weite Bevölkerungskreise auf dem Index steht.“

Der Zusammenhang von Alkohol und Krebs ist im Moment eines der heißesten Themen in der Medizin, so Prof. Dr. Curt Diehm weiter. „Alkohol ist etwa für zehn Prozent der Krebserkrankungen verantwortlich. Das lässt sich nicht mehr bagatellisieren.“

Nicht nur in Mund, Rachen und der Speiseröhre, sondern auch in der Bauchspeicheldrüse und im Brustraum gilt Alkohol als besonders krebsfördernd. Auch das Darmkrebsrisiko wird durch regelmäßigen Alkoholkonsum erhöht. Selbiges gilt für Brustkrebs bei Frauen. Der Mechanismus ist weitgehend bekannt. Alkohol ist ein Toxin, ein Zellgift, das nahezu alle Zellen des Körpers schädigen kann. Ab 10 g Alkohol wird es riskant. Schon bei relativ kleinen Alkoholmengen von 10-45 g Alkohol pro Tag steigt das Risiko für eine Darmkrebserkrankung um 16 Prozent. Wer täglich mehr trinkt als 45 g Alkohol (eine Maß Starkbier) erhöht sein Darmkrebsrisiko um über 40 Prozent.

Beim Abbau des Alkohols in der Leber entsteht ein hochgiftiges Zwischenprodukt, das Acetaldehyd. Dieser Stoff schädigt nicht nur die Leberzellen selbst, sondern es ist im ganzen Körper direkt krebserregend. Acetaldehyd wirkt auf die DNA von Stammzellen und erhöht so über Mutationen im Erbgut die Krebsentstehung.

Gerade in Kombination mit dem Rauchen steigert Alkohol das Risiko für Krebs im Rachen um ein Vielfaches. Wenn ein Mann täglich eine Flasche Wein trinkt, hat er ein 15-20fach erhöhtes Risiko für Speiseröhrenkrebs. Wenn er zusätzlich raucht, steigt dieses Risiko auf das Hundertfache gegenüber einem Nichtraucher und Nichttrinker an.

Eine Katastrophe ist Alkohol in der Schwangerschaft. „Wir sprechen von der so genannten alkoholischen Embryopathie“, so Prof. Dr. Curt Diehm. Mehr als 10.000 Kinder erblicken jährlich bei uns alkoholgeschädigt das Licht der Welt. Diese Kinder haben oft schwerste Entwicklungsstörungen bis hin zur späteren vollständigen Pflegebedürftigkeit. Auch der Brustkrebs bei Frauen kann in Verbindung mit Alkohol stehen.

Der Heidelberger Alkoholforscher Professor Dr. Helmut Seitz berichtet von über 200 Nebenerkrankungen durch chronischen Alkoholmissbrauch: von Bluthochdruck über Diabetes, von Schlaganfall bis Hirnleistungsstörungen.

Die Kosten aus Alkoholvergiftungen, chronischem Alkoholabusus und Alkoholabhängigkeit sind enorm. Der direkte und indirekte volkswirtschaftliche Schaden, der dem deutschen Gesundheitswesen entsteht, wird jährlich auf 25 Milliarden Euro geschätzt. Auch das ist ein Aspekt, der die Gesellschaft zum Umdenken bewegen könnte.

Wenn sich die Erkenntnis durchsetzt, dass Alkohol bereits in geringen Mengen schadet, könnte passieren, was derzeit beim Verzehr von Fleisch zu beobachten. Insbesondere die aufgeklärten Schichten in den Industrieländern wenden sich aus Bewusstseinsgründen davon ab. Prof. Dr. Curt Diehm: „Chic wäre dann Zero Alkohol. Im Rahmen eines modernen Lifestyles würde Alkohol dann geächtet werden.“

Quelle: Pressemeldung Max Grundig Klinik Bühlerhöhe

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