Keuchhusten ist keine Kinderkrankheit: Warum Erwachsene und Senior:innen sich jetzt impfen lassen sollten
Impfung gegen Keuchhusten im Herbst wichtig – Impfschutz bei Erwachsenen oft lückenhaft
Der Herbst bringt nicht nur goldene Blätter und Spaziergänge im Sonnenschein, sondern auch eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionskrankheiten. Während viele Menschen an ihre Grippe- oder COVID-19-Impfung denken, wird ein anderes Risiko häufig unterschätzt: Keuchhusten (Pertussis).
Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland und Europa so viele Keuchhustenfälle wie seit Jahren nicht mehr registriert. Besonders für ältere Menschen kann die Erkrankung gefährlich werden – und ein unvollständiger Impfschutz ist weit verbreitet.
Keuchhusten: Gefahr auch für Erwachsene
Keuchhusten wird durch das Bakterium Bordetella pertussis verursacht und zählt zu den hochansteckenden Atemwegsinfektionen. Die Übertragung erfolgt über Tröpfchen – beim Husten, Niesen oder Sprechen kann bereits ein kurzer Kontakt zur Ansteckung führen.
Viele glauben, Keuchhusten sei eine reine Kinderkrankheit. Doch auch Erwachsene und Senior:innen sind gefährdet. Frühere Impfungen aus der Kindheit oder eine durchgemachte Erkrankung bieten keinen lebenslangen Schutz. Zu Beginn ähneln die Symptome oft einer Erkältung: leichter Husten, Schnupfen, selten Fieber. Erst nach ein bis zwei Wochen entwickeln sich die typischen, anhaltenden Hustenanfälle, die Wochen bis Monate andauern können – häufig ohne sofort erkannt zu werden.
Das Problem: Erwachsene können andere, vor allem Neugeborene oder chronisch Kranke, unbemerkt anstecken. Selbst symptomlose Verläufe tragen zur Verbreitung bei.
Warum Keuchhusten im Alter besonders gefährlich ist
Mit zunehmendem Alter schwächt sich das Immunsystem ab. Das Risiko, an Infektionen wie Keuchhusten zu erkranken, steigt deutlich. Rund jeder fünfte gemeldete Fall betrifft Menschen über 60 Jahre.
Bei Senior:innen verläuft die Krankheit häufig schwerer und langwieriger. Zu den möglichen Komplikationen gehören Lungenentzündungen, Nebenhöhlenentzündungen, Rippenbrüche, Leistenbrüche, Gewichtsverlust und sogar Blaseninkontinenz durch heftige Hustenattacken.
Besonders gefährdet sind Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma oder COPD. Bei ihnen kann Keuchhusten zu einer akuten Verschlechterung der Grunderkrankung führen. Studien zeigen: Das Infektionsrisiko ist bei Personen mit Asthma, COPD oder Depressionen um bis zu 75 % höher.
Die gute Nachricht: Eine rechtzeitige Auffrischimpfung schützt zuverlässig – vor schweren Krankheitsverläufen und vor Ansteckung im persönlichen Umfeld.
Impfschutz prüfen: STIKO empfiehlt Auffrischung mit Tdap-Kombinationsimpfung
Die Ständige Impfkommission (STIKO) rät Erwachsenen, bei der nächsten fälligen Tetanus-Diphtherie-(Td)-Impfung einmalig eine Kombinationsimpfung mit Pertussis (Tdap) durchführen zu lassen.
Doch in der Praxis bleibt die Impfquote niedrig: Nur etwa jede zweite erwachsene Person in Deutschland verfügt über einen aktuellen Keuchhustenschutz – die andere Hälfte ist nicht ausreichend geschützt. Dabei ist die Erkrankung hochansteckend: Eine infizierte Person steckt durchschnittlich fünf weitere Menschen an.
Wer jetzt seinen Impfpass überprüft, kann nicht nur sich selbst, sondern auch Familie und Freundeskreis schützen – und sollte die Gelegenheit für eine Auffrischung nutzen.
Impfen schützt doppelt – auch Neugeborene profitieren
Besonders gefährlich ist Keuchhusten für Neugeborene, die noch nicht selbst geimpft werden können. Deshalb empfiehlt die STIKO eine Impfung für enge Kontaktpersonen, etwa werdende Eltern, Großeltern und Geschwister.
Durch eine sogenannte „Kokon-Impfung“ entsteht ein Schutzschild rund um das Baby: Je weniger Menschen im Umfeld das Bakterium übertragen können, desto geringer das Risiko einer Ansteckung.
Die Impfung sollte spätestens vier Wochen vor dem errechneten Geburtstermin erfolgen, damit der Körper ausreichend Zeit hat, Abwehrkräfte aufzubauen.
Gesund durch Herbst und Winter: Jetzt Impfschutz prüfen
In der kalten Jahreszeit häufen sich Atemwegsinfektionen – neben Grippe und Corona auch Keuchhusten. Wer sich rechtzeitig schützt, kann schwere Verläufe vermeiden.
Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin über Ihren aktuellen Impfstatus und lassen Sie sich zu geeigneten Auffrischimpfungen beraten.