Demokratie an der Wahlurne: 67,7 Prozent gegen Rendel – Abwahl scheitert am Quorum
Raunheim. Beim Bürgerentscheid über die politische Zukunft von Bürgermeister David Rendel (SPD) hat sich am Sonntag, 27. September 2026, eine deutliche Mehrheit der Abstimmenden für dessen Abwahl ausgesprochen. Dennoch bleibt Rendel vorerst Bürgermeister der Stadt Raunheim: Das für eine erfolgreiche Abwahl erforderliche Quorum wurde nicht erreicht.
Nach dem am Sonntagabend veröffentlichten vorläufigen Ergebnis stimmten 2.811 Bürgerinnen und Bürger für die Abwahl Rendels. Das entspricht 67,7 Prozent der gültigen Stimmen. 1.342 Wählerinnen und Wähler beziehungsweise 32,3 Prozent votierten gegen die Abwahl. Damit sprach sich zwar mehr als eine Zweidrittelmehrheit der Abstimmenden gegen einen Verbleib Rendels im Amt aus, für eine tatsächliche Abwahl reichte das Ergebnis jedoch nicht.
Quorum verhindert Abwahl
Nach der Hessischen Gemeindeordnung reicht bei der Abwahl eines Bürgermeisters eine einfache Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen allein nicht aus. Zusätzlich muss die Mehrheit für die Abwahl mindestens 30 Prozent aller Wahlberechtigten umfassen. Für Raunheim waren dafür nach den vor der Abstimmung veröffentlichten Angaben 3.164 Ja-Stimmen erforderlich.
Mit den erreichten 2.811 Ja-Stimmen fehlten somit 353 Stimmen, um dieses Quorum zu erfüllen. David Rendel bleibt damit trotz des deutlichen Mehrheitsvotums gegen ihn im Amt.
Die Stadt Raunheim hatte für den Sonntag einen Bürgerentscheid mit der Frage angesetzt:
„Stimmen Sie für die Abwahl des Bürgermeisters der Stadt Raunheim, Herrn David Rendel?“
Die Wahllokale waren von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Die Stadt veröffentlichte am Abend das vorläufige Abstimmungsergebnis.
Jahrelanger Konflikt zwischen Bürgermeister und Stadtparlament
Der Bürgerentscheid bildete den vorläufigen Höhepunkt eines seit Jahren andauernden Konflikts zwischen Bürgermeister Rendel und Teilen der Raunheimer Stadtpolitik.
Im Mittelpunkt stand unter anderem die Aufarbeitung von Provisionszahlungen in Höhe von mehr als zwei Millionen Euro, die noch während der Amtszeit von Rendels Vorgänger Thomas Jühe vereinbart worden waren. Dabei ging es um leistungsabhängige Zahlungen an den damaligen Leiter eines städtischen Betriebs im Zusammenhang mit Grundstücksgeschäften.
Eine Mehrheit im Stadtparlament hatte eine Rückforderung der Zahlungen verlangt. Rendel vertrat dagegen über längere Zeit die Auffassung, eine solche Rückforderung könne aus rechtlichen Gründen nicht ohne Weiteres umgesetzt werden. Der Konflikt führte zu mehreren juristischen Auseinandersetzungen und belastete das Verhältnis zwischen Rathausspitze und Stadtverordnetenversammlung erheblich.
Stadtverordnetenversammlung leitete Abwahlverfahren ein
Im Mai 2026 erreichte der politische Konflikt eine neue Stufe. Die Fraktionen von CDU, Wir sind Raunheim (WsR), Bündnis 90/Die Grünen und UMMA brachten gemeinsam den Antrag zur Einleitung eines Abwahlverfahrens gegen Rendel ein. Die Stadtverordnetenversammlung beschloss daraufhin mit der notwendigen Mehrheit, das Verfahren einzuleiten.
Rendel machte anschließend von der Möglichkeit Gebrauch, die Entscheidung nicht durch einen freiwilligen Amtsverzicht vorwegzunehmen. Damit mussten letztlich die Bürgerinnen und Bürger selbst über seine Zukunft als Bürgermeister entscheiden.
Auch innerhalb seiner eigenen Partei hatte Rendel zuletzt Rückhalt verloren. Die Raunheimer SPD hatte sich öffentlich von ihrem Bürgermeister distanziert und angesichts der festgefahrenen politischen Situation unter anderem eine Mediation zwischen den Beteiligten vorgeschlagen.
Deutliches Votum – aber keine erfolgreiche Abwahl
Das Ergebnis vom Sonntag zeichnet damit ein ungewöhnliches Bild: Mehr als zwei Drittel der gültig Abstimmenden wollten David Rendel als Bürgermeister abwählen. Gleichzeitig beteiligten sich jedoch nicht genügend Wahlberechtigte mit einer Ja-Stimme, um die gesetzlich vorgeschriebene Mindestzahl zu erreichen.
Rechtlich ist damit entscheidend, dass das notwendige Quorum verfehlt wurde. David Rendel bleibt folglich Bürgermeister von Raunheim.
Politisch dürfte der Konflikt damit allerdings nicht automatisch beendet sein. Nach dem deutlichen Abstimmungsergebnis steht die Raunheimer Kommunalpolitik vor der Frage, wie Bürgermeister, Stadtverordnetenversammlung und die beteiligten Fraktionen künftig miteinander arbeiten werden.
Das endgültige Abstimmungsergebnis muss noch durch die zuständigen Wahlorgane festgestellt werden.