Eine deftige Niederlage hat der 1. FSV Mainz 05 am Samstagnachmittag bei RB Leipzig einstecken müssen. Zwei Konter-Gegentore nach Ballverlusten im eigenen Spielaufbau in den ersten 30 Minuten spielten dem Gegner dabei in die Karten und ließen die sich in Torlaune präsentierenden Gastgeber beim 8:0 (5:0)-Erfolg früh auf die Siegerstraße einbiegen. Die Frage, was gewesen wäre, hätten die 05ER bei einer Doppelchance zwischen Minute 21 und 23 ihrerseits zugeschlagen und ausgeglichen, erübrigte sich am Ende aufgrund der Deutlichkeit der Niederlage, der höchsten in der Mainzer Bundesliga-Historie.

Gegenüber dem Heimsieg gegen Köln hatte Sandro Schwarz sein Team auf zwei Positionen verändert. Den gelbgesperrten Moussa Niakhaté vertrat Alexander Hack und für Daniel Brosinski durfte Ronaël Pierre-Gabriel zum dritten Mal in der laufenden Saison von Beginn an ran.

Der FSV begann mutig, aber immer wieder auch zu sorglos. So liefen die Gäste bereits nach fünf Minuten in einen ersten verhängnisvollen Konter. Nach einem Ballverlust in der gegnerischen Hälfte ging es blitzschnell. Timo Werner profitierte zunächst von der nur bruchstückhaft vorhandenen Restverteidigung auf Mainzer Seiten, ließ im Eins-gegen-Eins-Duell Jeremiah St. Juste auf der rechten Seite stehen und bediente Sabitzer, der Robin Zentner aus kurzer Distanz mit etwas Glück zur Führung überwand. Fünf Minuten später kam der Vorbereiter selbst in aussichtsreicher Position zum Abschluss, diesmal war Zentner aber zur Stelle und parierte sicher (10.). Den in der physisch und fußballerisch überzeugenden Leipzigern, denen es die Mainzer allerdings auch zu einfach machten, hatten die 05ER offensiv lange wenig entgegen zu setzen. Bis zur 21. Minute, als Ádám Szalai Levin Öztunali aus der eigenen Hälfte auf die Reise schickte. Der Mittelfeldspieler entschied zwar das Laufduell gegen Dayot Upamecano für sich, traf kurz vor dem Strafraum aber dann eben auch die falsche Entscheidung und versuchte es viel zu früh mit dem Abschluss statt entschlossen Richtung Tor durchzustarten – die große Ausgleichschance war verpufft (21). Noch näher kamen die Mainzer dem Ausgleich zwei Minuten später nach einem ruhenden Ball: Die Ecke von Aarón erreichte Hack, dessen Kopfball aus sechs Metern Peter Gulacsi reaktionsstark per Fußabwehr klären konnte (23.).

Die Doppelchance sollte bis zur Pause die letzte Gelegenheit der Gäste gewesen sein. Denn im Anschluss wurde es ganz bitter. Nach einem weiteren Konter erhöhte Werner in der 30. Minute nach Querpass von Christopher Nkunku auf 2:0. Fünf Minuten später bediente Werner Nkunku, der Zentner unbedrängt aus 20 Metern zum dritten Mal an diesem Nachmittag überwand. Weil die 05ER sich aus der Umklammerung nicht befreien konnten, saß auch der nächste schnelle Angriff in Minute 39. Poulsen legte, von Werner auf dem rechten Flügel bedient, quer, und Halstenberg hatte keine Mühe aus zehn Metern einzuschieben – 4:0 (39.). Danach reagierte Schwarz, brachte den etatmäßigen Kapitän Danny Latza für Szalai und stellte um auf 5-4-1, es kam sollte aber dennoch noch vor dem Ende des ersten Durchgangs schlimmer kommen. Über Poulsen und Werner kam der Ball in der 44. Minute zu Sabitzer, der zwar noch an Zentner scheiterte. Der Ball landete aber vor den Füßen von Poulsen, der das Leder problemlos im leeren Tor unterbrachte (44.). Zwischenzeitlich hatte es noch eine Halbchance für die 05ER gegeben, als Ridle Baku auf Jean-Paul Boëtius quergelegt hatte, der aus 18 Metern jedoch knapp am rechten Pfosten vorbei gezielt hatte (42.).

Wer auf Schadensbegrenzung gehofft hatte, sah sich bereits unmittelbar nach Wiederanpfiff eines Besseren belehrt. In Minute 48 machte Werner nach Zuspiel von Nkunku das halbe Dutzend voll. Und nur zwei weitere Minuten später traf Nordi Mukiele nach einer Werner-Flanke per Kopf (50.). Nach einer Ecke von Aarón sahen die Zuschauer dann mal wieder eine Mainzer Gelegenheit, als Latza am kurzen Pfosten nur knapp vorbeizielte (57.).

Es sollte die beste Phase der Gäste folgen, die nun ihrerseits immer wieder Nadelstiche setzten und sich defensiv zumindest nach Gegentor Nummer sieben stabilisiert hatten. Einem Quaison-Tor wurde nach einer guten Stunde wegen Abseits die Anerkennung verweigert (62.). Ein weiterer Versuch des Schweden aus aussichtsreicher Position wurde in der 69. Minute noch entscheidend geblockt, während Zentner sich auf der anderen Seite gegen Poulsen nochmal auszeichnen durfte (70.). Dem Ehrentreffer nahe kam erneut Latza nach einer Flanke des eingewechselten Brosinski, scheiterte aber an Gulacsi (75.). Zum rabenschwarzen Nachmittag aus 05-Sicht passte dann konsequenterweise Gegentpr Nummer acht. Aus einer komplett harmlosen Situation ging Leipzigs Innenverteidiger Lukas Klostermann als lachender Ditter hervor, weil Aarón und St. Juste sich gegenseitig behindert hatten. Der Nationalspieler bediente Werner, der mit seinem dritten Torerfolg den Endstand besorgte (87.). Am kommenden Samstagnachmittag gegen Union Berlin haben die Mainzer in der OPEL ARENA die Gelegenheit, sich wieder anders zu präsentieren und das Punktekonto vor der folgenden Länderspielpause aufzupolstern.

Quelle: FSV Mainz 05