Dienstag, April 20, 2021

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Kiwi-Jubiläum: Der 50. Schlupf im Frankfurter Zoo

Es ist das zweite Kiwi-Küken der Saison, geschlüpft am Dienstag, 30. März. Und es weiß nicht, dass es unter dem Seltenen etwas ganz Besonderes ist. Ein Jubiläums-Küken nämlich. Denn mit ihm haben seit 1978 insgesamt 50 der hoch bedrohten neuseeländischen Wappenvögel im Frankfurter Zoo das Licht der Welt erblickt. Auch Brut und Schlupf waren in diesem Jahr außergewöhnlich. 

Kiwi-Küken Nummer 49 ist nach einer langen Brutzeit von 85 Tagen am 6. März geschlüpft. Anders als sonst hat es die ersten neun Tage gemeinsam mit seinem Vater Hari verbracht. In der Vergangenheit war es im Frankfurter Zoo aus Sicherheitsgründen üblich, Kiwi-Eier, die kurz vor dem Schlupft standen, in einen Brutapparat zu legen. Der Grund: Gelegentlich kam es vor, dass Jungtiere während des Schlupfs versehentlich von den Altvögeln verletzt oder sogar getötet wurden. Dies sollte bei den seltenen und wertvollen Vögeln unbedingt vermieden werden. Die große Erfahrung des Tierpflege-Teams und eine strenge Überwachung des Brutgeschäfts erlauben es heute, die brütenden Väter und ihren Nachwuchs beisammen zu lassen. 

Auch das 50. Küken kam auf diesem natürlichen Weg zur Welt. Es schlüpfte ebenfalls beim Altvogel im Nest und konnte die ersten Tage dort verbringen. Welches Geschlecht die beiden Küken haben, ist noch nicht bekannt. Dieses wird erst nach einigen Wochen über eine Federprobe im Labor bestimmt.

Von alldem bekommen die Besucherinnen und Besucher leider nichts zu sehen. Denn aufgrund der Pandemie müssen im Zoo derzeit alle Tierhäuser und damit auch das Kiwi-Informationszentrum geschlossen bleiben. Dennoch ist der erneute Zuchterfolg Anlass zu Freude. Das findet auch Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft: „Die ersten Kiwis kamen 1978 als Geschenk der neuseeländischen Regierung nach Frankfurt. Die Zucht dieser bedrohten und sensiblen Tierart ist daher Ehre und Verpflichtung zugleich. Darauf, dass der Frankfurter Zoo bereits seit über 40 Jahren Kiwis erfolgreich züchtet, können wir, aber vor allem ihre Pflegerinnen und Pfleger, stolz sein. Diese besondere Expertise ist es auch, warum das internationale Erhaltungszucht-Programm für den Kiwi, das im National Zoo in Washington geführt wird, unserem Zoo die Koordination der europäischen Population übertragen hat.“

Zoodirektor Miguel Casares freut sich über den Schritt hin zur natürlichen Kiwi-Aufzucht, selbst wenn diese mit einem gewissen Risiko behaftet ist: „Bruten bei den Kiwis erfordern viel Zeit und Sorgfalt. Die regelmäßige Kontrolle durch die Pflegerinnen und Pfleger sind unsere Kiwis gewöhnt. Sie lassen sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Das ist sehr wichtig, denn ab dem 65. Bebrütungstag werden die Eier der Kiwis alle zwei Tage aus dem Nest genommen und durchleuchtet, um den kritischen Zeitpunkt des Schlupfs möglichst genau vorhersagen und überwachen zu können. So können wir auch das Verhalten des Altvogels exakt im Auge behalten und mögliche Risiken minimieren.“

Wissenswertes über Kiwis

Im Durchschnitt bleiben Kiwi-Jungtiere nur fünf bis zehn Tage bei der Schlupfhöhle und somit in der Nähe ihres Vaters. Nach dem Schlupf sind die Küken bereits „kleine Erwachsene“ und von Anfang an in der Lage, für sich selbst zu sorgen. Außer Wärme bekommen sie nichts von ihren Vätern. Die Weibchen haben mit der Aufzucht der Jungvögel nichts zu tun. Nachdem sie ihr enorm großes Ei ins Nest gelegt haben, können sie sich von der energiezehrenden Phase der Eientwicklung erholen. Kiwi-Paare sind sich häufig ein Leben lang treu.

Die in Neuseeland heimischen flugunfähigen und nachtaktiven Vögel sind ganz besonders durch von Menschen eingeführte Tierarten wie Katzen, Hunde, Ratten und Hermeline gefährdet. Mit intensiven Naturschutzmaßnahmen und zahlreichen staatlichen Projekten zum Schutz der Tiere ist es im Jahr 2017 gelungen, den Bedrohungsstatus der Nördlichen Streifenkiwis und der Okarito-Streifenkiwis nach 20 Jahren herabzusetzen: Auf der Roten Liste der IUCN werden sie nun nicht mehr als „stark gefährdet“, sondern als „gefährdet“ geführt.

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