Jan Redmann (Trainer HSG Rodgau Nieder-Roden), HSG Hanau vs. HSG Rodgau Nieder-Roden, Hanau, Main-Kinzig-Halle, 1.10.2021

Jan Redmann im Interview – der Blick geht nach vorne

Frage: Hallo Jan, mit etwas zeitlichem Abstand:  Wie anstrengend war die abgelaufene Saison?

Jan Redmann: Hallo, so anstrengend wie bisher keine bei der HSG!  Es war eine Saison unter besonderen Vorzeichen, in der viele Dinge passiert sind, die man kaum beeinflussen oder vorhersehen konnte. Ich kann aus meiner Sicht nur sagen, dass ich heilfroh bin, den sechsten Platz erreicht zu haben – trotz aller Widrigkeiten.

Frage: Du hattest an anderer Stelle erwähnt, dass der Akku ziemlich leer sei. Bist Du  mittlerweile schon wieder im Auflademodus ?

Jan Redmann: Diese Runde – insbesondere das Jahr 2022 – hat schon viel Kraft gekostet. Man darf  Corona nicht vergessen, das die letzte Saison für alle Beteiligten extrem beeinträchtigt hat. Man sollte  die vorhandenen Möglichkeiten realistisch einschätzen und diese Platzierung mit der notwendigen Demut betrachten. Zudem gab es einige sehr spezielle Momente, wie das Spiel gegen die Ukraine oder die Verabschiedung von zahlreichen Spielern, das hat alles ein paar Körner gekostet wie man so schön sagt. Aber ich spüre bei mir und im Umfeld seit ein paar Wochen einen frischen Wind. Deshalb gilt jetzt auch die Devise: Volle Kraft voraus ! Wir richten den Blick, wie immer, nach vorne.

Frage: Guter Stichpunkt. Was schreiben sich die Baggerseepiraten denn auf die Fahne, immerhin gibt es einen relativ großen personellen Wandel.

Jan Redmann: Das stimmt, so viele Spieler haben noch nie gleichzeitig den Verein verlassen, bzw. ihre Karriere beendet. Da kann man schon von einem gewissen Umbruch sprechen, dies ist sehr ungewöhnlich für die „HSG-Familie“.  Aber im Gegenzug kommen ja auch viele interessante Spielertypen zu uns, die wir in dieser Form noch nicht im Kader haben. Also die Wunschvorstellung wäre natürlich, dass sich alle menschlich bei uns sofort wohl fühlen. Das ist im Mannschaftssport die Basis für sportliche Erfolge. Dann müssen wir lernen miteinander Handball zu spielen, das wird eine Weile dauern. Es ist ein langer Prozess, den wir in den letzten Jahren in der Form kaum zu bewältigen hatten. Erklärtes Ziel ist es, so früh wie möglich nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben.  Und wenn sich dann die Möglichkeit ergibt, vorne anzugreifen, werden wir auch das tun. Noch so eine Zittersaison wäre jedenfalls nicht gut für mein Nervenkostüm (lacht).

Frage: Du gehst jetzt in die sechste Saison in Nieder-Roden, wird das auch für Dich persönlich jetzt die größte Herausforderung ?

Jan Redmann: Jede Saison hat ihre speziellen Herausforderungen und das war bisher auch in Nieder- Roden so. Herausforderungen sind jedoch etwas Schönes im Leben und von daher freue ich mich auch auf diese neue wieder. Klar ist, dass wir nun viele Spieler integrieren müssen, aber auch die Rollen innerhalb des Gefüges werden sich verschieben. Zudem wollen wir unsere Spielphilosophie beibehalten und müssen dabei den richtigen Weg finden.  

Frage: Es kommen ja komplett unterschiedliche Spielertypen an die Rodau, auf der einen Seite zum Beispiel erfahrene Akteure wie Lars Spieß oder Simon Brandt, auf der anderen Seite auch junge Nachwuchsspieler, für die die 3. Liga neu ist. Wie schätzt Du das ein?

Jan Redmann: Erst mal sind wir überhaupt froh, dass wir so viele gute Spieler für uns gewinnen konnten, das ist heute nicht mehr selbstverständlich. Wir haben aus meiner Sicht einen sehr spannenden Mix zur Verfügung. Wir erhoffen uns durch die Neuverpflichtungen zunächst mal eine höhere Qualität im Training und mehr Breite im Kader. Wenn alle fit zum Vorbereitungsstart kommen, wird es zuerst einen internen Konkurrenzkampf geben und das hilft in der Regel bei der notwendigen Wertschätzung und dem Respekt, sich gegenseitig zu steigern. Dann müssen alle ihre neuen Rollen finden,  diese Aufgaben annehmen und umsetzen. Zuerst im Training und dann im Wettkampf. Dafür haben wir 9 Wochen Vorbereitung, das ist zwar nicht viel kann aber ausreichend sein. Der gesamte Findungsprozess wird natürlich  von längerer Dauer  sein. Davor haben wir Spieler gehabt, die teilweise über 10 Jahre hier gespielt haben. Das sollten sich alle bewusst machen. Wenn alle Rädchen schnell ineinandergreifen, haben wir eine sehr konkurrenzfähige Mannschaft.  

Frage: Abschließend noch Deinen Wunsch für die kommende Runde.

Jan Redmann: Ich wünsche mir einen möglichst verletzungsfreien Verlauf, dadurch mehr Ruhe und weniger Improvisation. Ergebnistechnisch wäre es super, wenn wir uns bis Weihnachten im sicheren Fahrwasser befinden. Dann können wir schauen,  wie weit nach vorne wir noch angreifen. Für das Umfeld wünsche ich mir endlich wieder volle Hallen und die maximale Unterstützung und Geduld unserer Fans, die wir sicherlich benötigen. Wir werden jedenfalls  alles dafür tun, was in unserer Macht steht, um erfolgreichen und attraktiven Handball zu bieten.

Das Interview wurde geführt und bereitgestellt von der HSG Rodgau

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