Die HSG Hanau hat in der 3. Handball-Liga Mitte den Bock umgestoßen. Nach zuletzt vier sieglosen Spielen und 1:7-Punkten fanden die Grimmstädter am Samstagabend im Derby beim TV Gelnhausen eindrucksvoll in die Erfolgsspur zurück. Mit 37:34 (20:15) gewann das Team von Trainer Oliver Lücke vor 1000 Zuschauern in der Gelnhäuser „Hölle Süd“ und verteidigte mit 13:11 Punkten den siebten Tabellenplatz.

Dabei setzten drei Hanauer eindrucksvolle Ausrufezeichen, die bis dato noch nicht so sehr im Mittelpunkt standen. Allen voran zwei Youngster. Der zu Saisonbeginn aus der A-Jugend herausgekommene 19-jährige Torhüter Fabian Tomm zeigte zwischen den Pfosten spektakuläre Paraden in Serie und war der Garant des Erfolges. Sowie der 20-jährige Neuzugang Luca Braun. Er warf acht Tore, setzte seine Mitspieler gekonnt in Szene und spielte auf wie ein alter Hase.

Und dann wäre da noch Michael Malik. Beim Neuzugang platzte endgültig der Knoten. Der Rückraumshooter übernahm viel Verantwortung, verwandelte alle vier Siebenmeter sicher und traf insgesamt 14 Mal ins Schwarze. Damit schoss er sich endgültig und lebenslänglich in die Herzen des Blauen Blocks, denn auch die letzte kleine Narbe ist nun verheilt. Malik warf jetzt gegen Gelnhausen im Hanauer Trikot ein Tor mehr als vor rund einem Jahr im Dress von Groß-Bieberau. Damals besiegelte er mit seinen 13 Toren die erste Heim-Niederlage der HSG Hanau nach 19 Monaten quasi im Alleingang. Nun musste Gelnhausen die Erfahrung machen, wie es sich anfühlt, wenn man einen Mann 60 Minuten lang einfach nicht in den Griff bekommt.

Kein Wunder, dass Trainer Lücke über die drei Matchwinner hinterher ins Schwärmen geriet. „Fabian hat das Torhüter-Duell für sich entschieden und auch Michael und Luca haben an diesem Abend zweifelsohne herausgestochen.“ Der HSG-Coach betonte aber, dass die gesamte Mannschaft einen starken Auftritt gezeigt hat. „Ohne die tolle Leistung aller anderen hätten auch die Drei nicht so glänzen können.“

In der Tat präsentierte sich die HSG Hanau angefeuert von rund 250 mitgereisten Fans im Kollektiv von Beginn an hoch konzentriert und vor allem spielerisch stark verbessert. „Das Einzelspiel war schön anzuschauen und überhaupt haben die Jungs im Angriff alle Vorgaben erfüllt“, lobte Lücke seine Mannschaft. Einzig 34 Gegentore seien ein bisschen viel. „Aber Gelnhausen macht das mit der schnellen Mitte und der Zweiten Welle auch extrem gut“, sagte Lücke.

Die Hanauer erzielten den ersten Treffer der Partie und sollten lediglich beim 11:12 in der 18. Minute ein einziges Mal im gesamten Spiel in Rückstand geraten. Doch mit einem anschließenden 9:3-Lauf bis zur Pause legten die Grimmstädter den Grundstein zum Erfolg.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Sebastian Schermuly bereits zwischen den Pfosten Platz gemacht für Fabian Tomm, der sich in der Folgezeit in einen Rausch spielte und sein bis dato bestes Spiel im Seniorenbereich machen sollte. Einmal mehr bewiesen die HSG-Fans viel Fingerspitzengefühl und feierten den Youngster nach der Partie mit Sprechchören.  

Dank Tomm und Yaron Pillmann, der viele richtige Entscheidungen im richtigen Moment traf, kamen die Hanauer im zweiten Durchgang unbeschadet durch zwei kurze Schwächephasen. Näher als bis auf einen Zwei-Tore-Rückstand kamen die Gastgeber nicht mehr heran. Mit dem 37:34-Siegtreffer setzte Malik zehn Sekunden vor Schluss das letzte Ausrufezeichen. Anschließend kannte der Jubel keine Grenzen.

Die Leistung ist umso höher zu bewerten, da der angeschlagene Braun auf den letzten Drücker zwar noch fit wurde, mit dem grippeerkrankten Yannik Woiwod aber kurzfristig doch die sechste Stammkraft ausgefallen war. Neben ihm fehlten Michael Hemmer und die vier Langzeitverletzten Daniel Wernig, Matthias Schwalbe, Yannik Ruppert und Jan-Eric Ritter.

„Diesen Sieg nehmen wir gerne mit, weil er uns Selbstvertrauen verleihen wird. In unserer jetzigen Situation gehen wir kommende Woche zwar als Außenseiter in das Spiel gegen die HSG Nieder-Roden, aber wir freuen uns sehr auf dieses Duell“, sagte Lücke.

Am Freitag, den 15.11., steht das nächste Derby und echtes Kracher-Spiel auf dem Programm. Dann geht es in der Main-Kinzig-Halle (20 Uhr) gegen den frischgebackenen Tabellenführer HSG Nieder-Roden. Die Baggerseepiraten gewannen das Spitzenspiel gegen die SG Nußloch und grüßen mit 18:4 Punkten von der Tabellenspitze.