Klopp-Debüt endet 1:1: Gakpo trifft Deutschland in letzter Minute
Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist mit einem Unentschieden in die Ära von Jürgen Klopp gestartet. Beim Nations-League-Duell gegen die Niederlande führte die DFB-Auswahl am Donnerstagabend lange durch einen Treffer von Felix Nmecha, musste in der Nachspielzeit jedoch noch den Ausgleich hinnehmen. Cody Gakpo traf in der 92. Minute zum 1:1-Endstand. Deutschland zeigte vor allem in der ersten Hälfte einen mutigen Auftritt, geriet nach der Pause jedoch zunehmend unter Druck.
Für den neuen Bundestrainer Jürgen Klopp war die Begegnung in Amsterdam die erste echte Bewährungsprobe nach der Trennung von Julian Nagelsmann infolge des frühen deutschen Ausscheidens bei der Weltmeisterschaft. In einer intensiven und phasenweise hochklassigen Partie lieferten sich beide Mannschaften ein Duell auf Augenhöhe.
Musiala musste kurzfristig passen – Amiri rückte in die Startelf
Schon unmittelbar vor dem Anpfiff musste Klopp seine geplante Anfangsformation verändern. Jamal Musiala konnte wegen muskulärer Probleme im Oberschenkel nicht eingesetzt werden. Nach ersten Informationen handelte es sich dabei vor allem um eine Vorsichtsmaßnahme.
Für Musiala rückte Nadiem Amiri kurzfristig in die deutsche Startelf.
Nicht zum 23-köpfigen Spieltagskader gehörte zudem Conté. Der Hoffenheimer war der einzige Spieler aus dem ursprünglich von Klopp nominierten 24-Mann-Aufgebot, der gegen die Niederlande nicht berücksichtigt werden konnte. Hintergrund waren die UEFA-Regularien, nach denen lediglich 23 Akteure für das Spieltagsaufgebot gemeldet werden durften. Für das folgende Nations-League-Spiel gegen Griechenland sollte Conté allerdings wieder zum Kader gehören.
Vor dem Anpfiff wurde außerdem mit einer Schweigeminute der verstorbenen Martina Koeman gedacht, der Ehefrau des früheren niederländischen Nationaltrainers Ronald Koeman.
Deutschland begann aggressiv und presste früh
Mit dem Anstoß für die deutsche Mannschaft begann die Partie im Amsterdamer Stadion. Die DFB-Elf machte unmittelbar deutlich, dass sie unter Klopp offensiv und mutig auftreten wollte.
Bereits nach zwei Minuten ging Karim Adeyemi mit hohem Tempo in Richtung niederländischen Strafraum. Halbrechts drang der deutsche Offensivspieler in den Sechzehner ein, wurde jedoch geblockt. Der Ball sprang anschließend von Adeyemi ins Toraus.
Nur zwei Minuten später spielte Kai Havertz auf der rechten Seite Treu frei. Dessen Flanke von der Torauslinie in Richtung Fünfmeterraum wurde von der niederländischen Defensive geklärt.
Deutschland presste in der Anfangsphase ausgesprochen hoch und setzte die Gastgeber früh unter Druck.
Niederlande wurden stärker – Treffer nach VAR-Prüfung aberkannt
Nach rund zehn Minuten meldeten sich auch die Niederländer erstmals gefährlich vor dem deutschen Tor.
Cody Gakpo legte den Ball vom linken Strafraumrand zurück auf Timber, der aus rund 19 Metern abzog. Sein Abschluss rollte etwa eineinhalb Meter am rechten Pfosten vorbei.
Nur zwei Minuten später kam Tijjani Reijnders aus rund 13 Metern zum Abschluss. Der Ball sprang Tah an die angelegte Hand und anschließend ins Aus. Die Niederländer führten die folgende Ecke schnell aus – und plötzlich lag der Ball im deutschen Tor.
Virgil van Dijk war im Zentrum am höchsten gestiegen und hatte den Ball letztlich mit der Schulter in Richtung rechtes Toreck gedrückt. Marc-André ter Stegen war in der Situation allerdings von Brian Brobbey behindert worden.
Der Video-Assistent schaltete sich ein. Schiedsrichter Alejandro Hernandez sah sich die Szene anschließend selbst am Monitor an und entschied nach der VAR-Überprüfung auf Foulspiel.
Der Treffer wurde nicht gegeben.
Brobbey hatte ter Stegen den Weg zum Ball versperrt.
Die Niederländer hatten zu diesem Zeitpunkt dennoch zunehmend die Kontrolle übernommen. Nach rund 18 Minuten hatte die Partie endgültig Fahrt aufgenommen.
Havertz musste verletzt ausgewechselt werden
Nach 27 Minuten folgte der nächste Rückschlag für Deutschland.
Kai Havertz griff sich an den hinteren linken Oberschenkel und setzte sich anschließend auf den Rasen. Für den Arsenal-Profi ging es nicht mehr weiter.
Damit musste Klopp bereits während der ersten Halbzeit verletzungsbedingt reagieren.
Auch auf niederländischer Seite gab es kurz darauf Probleme: Brobbey verletzte sich ohne unmittelbare gegnerische Einwirkung.
Felix Nmecha brachte Deutschland in Führung
Ausgerechnet während dieser Situation fiel in der 32. Minute die deutsche Führung.
Brobbey hatte sich abseits des Balles verletzt und lag auf dem Boden. Die niederländischen Spieler forderten, den Ball ins Seitenaus zu spielen. Deutschland setzte den Angriff jedoch fort.
Über die rechte Seite kam Treu zur Hereingabe. Der Ball sprang im Fünfmeterraum von Adeyemi zu Felix Nmecha, der aus kurzer Distanz konsequent abschloss und den Ball im linken Toreck unterbrachte.
Deutschland führte mit 1:0.
Die Niederländer protestierten aufgrund des verletzten Brobbey, der Treffer hatte jedoch Bestand.
Adeyemi vergab große Chance auf das 2:0
Deutschland hatte wenige Minuten später sogar die große Gelegenheit, die Führung auszubauen.
In der 39. Minute konterte die DFB-Elf mit zwei Spielern gegen nur einen niederländischen Verteidiger. Brown zog mit hohem Tempo halblinks in den Strafraum und legte hervorragend auf den rechts mitgelaufenen Adeyemi ab.
Der deutsche Angreifer nahm den Ball direkt, setzte seinen halbhohen Abschluss jedoch rund zwei Meter über das Tor.
Das hätte das 2:0 sein können.
Ter Stegen zunächst sicher – dann mit riskantem Fehlpass
Die Niederländer antworteten unmittelbar.
In der 41. Minute kombinierten sich die Gastgeber schnell über die rechte Seite nach vorne. Dumfries flankte ins Zentrum und fand den völlig frei einlaufenden Summerville. Dessen Kopfballaufsetzer aus rund neun Metern landete allerdings direkt in den Armen von ter Stegen.
Nur eine Minute später leistete sich der deutsche Torhüter einen folgenschweren Fehlpass, der beinahe zum Ausgleich geführt hätte.
Ter Stegen spielte den Ball außerhalb seines Strafraums genau in die Füße von Gakpo. Der Niederländer zog sofort aus rund 18 Metern wuchtig ab. Ter Stegen konnte seinen Fehler jedoch selbst korrigieren und wehrte den Ball nach vorne ab.
Deutschland ging mit knapper Führung in die Pause
Nach einer turbulenten ersten Halbzeit führte die deutsche Nationalmannschaft zur Pause mit 1:0.
Beide Teams hatten offensiv gespielt und sich zahlreiche intensive Zweikämpfe geliefert. Sowohl Deutschland als auch die Niederlande mussten zudem bereits vor dem Seitenwechsel verletzungsbedingt wechseln.
Der Treffer von Nmecha machte zur Halbzeit den Unterschied.
Niederlande kamen deutlich stärker aus der Kabine
Nach dem Seitenwechsel erhöhten die Gastgeber den Druck.
Bereits in der 46. Minute setzte sich Gakpo auf der linken Seite durch und flankte in die Mitte. Summerville nahm den Ball im Zentrum zunächst stark mit, konnte ihn jedoch nicht vollständig kontrollieren. Deutschland klärte.
Insgesamt kamen die Niederländer deutlich besser aus der Kabine als zu Beginn der ersten Halbzeit. Die DFB-Elf hielt allerdings zunächst dagegen und versuchte weiterhin, nach Ballgewinnen schnell umzuschalten.
Adeyemi verpasste erneut das zweite deutsche Tor
In der 59. Minute profitierte Deutschland von einem Fehler im niederländischen Spielaufbau.
Brown hatte auf der linken Seite viel Raum und leitete den Angriff ein. Schließlich gelangte der Ball zu Adeyemi. Der Offensivspieler traf die Kugel jedoch nicht sauber und schoss aus spitzem Winkel über das Tor.
Wieder ließ Deutschland eine gute Gelegenheit auf das 2:0 liegen.
Ter Stegen rettete mehrfach stark
Auf der Gegenseite wurde es unmittelbar danach gefährlich.
Meerdink setzte Dumfries mit der Hacke in Szene. Der Niederländer hatte rechts im Strafraum freie Bahn und kam zum Abschluss.
Ter Stegen reagierte stark und rettete mit seinem rechten Bein.
Nur wenige Minuten später herrschte erneut Chaos im deutschen Strafraum. Nach einem Eckball wehrte ter Stegen den Ball zunächst etwas unkonventionell mit einer Hand nach vorne ab. Meerdink kam aus dem Getümmel aus kurzer Distanz zum Abschluss, doch erneut war Deutschlands Torhüter zur Stelle.
Anschließend sprang der Ball mehrfach durch den Fünfmeterraum, ehe Schiedsrichter Hernandez die Szene abpfiff.
Niederlande drängten immer stärker auf den Ausgleich
Mit zunehmender Spielzeit verlagerte sich die Begegnung immer stärker in die deutsche Hälfte.
In der 66. Minute setzte sich Dumfries am Strafraumrand trotz Bedrängnis gegen zwei deutsche Spieler durch und brachte den Ball scharf in die Mitte. Dort kam Meerdink zum Abschluss, setzte die Kugel aber knapp am linken Pfosten vorbei.
Deutschland blieb über Konter gefährlich.
In der 71. Minute bekam Treu rund 15 Meter vor dem Tor Platz. Sein Linksschuss wurde abgefälscht und rollte knapp links am Tor vorbei.
Die Zweikämpfe wurden weiterhin intensiv und körperbetont geführt.
Außenpfosten rettete Deutschland
Nur zwei Minuten später hatten die Niederländer die nächste große Gelegenheit.
Nach einem schnell vorgetragenen Angriff kam Meerdink aus leicht spitzem Winkel zum Abschluss. Ter Stegen stand gut und bekam noch den Arm an den Ball.
Von dort sprang die Kugel an den Außenpfosten und anschließend ins Toraus.
Deutschland verteidigte die knappe Führung inzwischen mit großem Aufwand.
In der Schlussphase ließen bei beiden Teams sichtbar die Kräfte nach. Die Intensität blieb hoch, die Präzision in vielen Aktionen nahm jedoch ab.
Gakpo schockte Deutschland in der Nachspielzeit
Als vieles bereits nach einem deutschen Sieg aussah, schlugen die Niederländer doch noch zu.
In der zweiten Minute der Nachspielzeit verlor Serge Gnabry den Ball auf der rechten Seite. Die Gastgeber schalteten blitzschnell um.
Van Bommel nahm auf der linken Seite Tempo auf und spielte eine technisch anspruchsvolle Außenristflanke in Richtung des rechten Pfostens.
Dort lief Cody Gakpo ein.
Der niederländische Angreifer nahm den Ball direkt und traf volley präzise ins rechte Toreck.
1:1 in der 90.+2 Minute.
Ter Stegen hatte bei dem sehenswerten Abschluss keine Abwehrchance.
Deutschland und Niederlande trennen sich 1:1
Wenig später war Schluss.
Deutschland musste sich beim ersten Spiel unter dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp mit einem 1:1 gegen die Niederlande zufriedengeben.
Die DFB-Auswahl hatte insbesondere in der ersten Hälfte einen mutigen und offensiven Auftritt gezeigt und war durch Nmecha verdient in Führung gegangen. Mehrere Möglichkeiten zum zweiten Treffer blieben jedoch ungenutzt.
Nach dem Seitenwechsel erhöhten die Niederländer den Druck deutlich. Ter Stegen bewahrte Deutschland mit mehreren Paraden lange vor dem Ausgleich, ehe Gakpo tief in der Nachspielzeit doch noch traf.
Unter dem Strich stand damit ein intensives und über weite Strecken ausgeglichenes Nations-League-Duell, bei dem Deutschland nur wenige Minuten von einem erfolgreichen Einstand unter Jürgen Klopp entfernt gewesen war.
Rückblick: Deutschland gegen die Niederlande
Bereits die vorangegangenen Duelle zwischen Deutschland und den Niederlanden waren eng verlaufen.
Am 14. Oktober 2024 hatte sich die DFB-Auswahl in München in der Nations League mit 1:0 durchgesetzt. Jamie Leweling erzielte damals den entscheidenden Treffer.
Rund einen Monat zuvor hatten sich beide Teams in Amsterdam 2:2 getrennt.
Für die Niederlande hatten Tijjani Reijnders bereits in der zweiten Minute sowie Denzel Dumfries in der 51. Minute getroffen. Deutschland war durch Deniz Undav in der 38. Minute und Joshua Kimmich in der dritten Minute der Nachspielzeit der ersten Hälfte erfolgreich gewesen.
Auch das erneute Aufeinandertreffen in Amsterdam bestätigte damit, wie ausgeglichen die Duelle zwischen beiden Fußball-Nationen zuletzt verlaufen waren.
Endstand: Niederlande – Deutschland 1:1
Tore: 0:1 Felix Nmecha (32.), 1:1 Cody Gakpo (90.+2)
Schiedsrichter: Alejandro Hernandez (Spanien)
VAR: Carlos del Cerro Grande (Spanien)
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