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90.+2! Saarbrücken schockt Hertha – dann wird Gersbeck im Elfmeterschießen zum großen Helden

90.+2! Saarbrücken schockt Hertha – dann wird Gersbeck im Elfmeterschießen zum großen Helden
Ralf Brück

Hertha BSC hatte sich in der ersten Runde des DFB-Pokals nur mit großer Mühe gegen den 1. FC Saarbrücken durchgesetzt. Der Zweitligist dominierte über weite Strecken, ließ aber zahlreiche hochkarätige Chancen ungenutzt und wurde dafür in der Nachspielzeit bestraft. Erst im Elfmeterschießen setzte sich die Mannschaft aus Berlin durch. Zum Matchwinner avancierte Torhüter Marius Gersbeck, der zwei Saarbrücker Strafstöße parierte und Hertha damit in die zweite Runde führte.

Die Rollen schienen vor dem Anpfiff klar verteilt. Hertha BSC war mit viel Selbstvertrauen ins Saarland gereist, nachdem der Hauptstadtklub seine ersten beiden Spiele der neuen Zweitliga-Saison gewonnen hatte. Der 1. FC Saarbrücken wollte dagegen erneut seine Pokalqualitäten unter Beweis stellen und den höherklassigen Gegner vor heimischer Kulisse ärgern.

Am Ende entwickelte sich genau jener Pokalkrimi, den die Berliner lange Zeit hätten vermeiden können.

Hertha war spielerisch überlegen, erspielte sich eine Vielzahl an Möglichkeiten und ging durch einen sehenswerten Fernschuss von Paul Seguin verdient in Führung. Doch weil die Gäste mehrfach die Vorentscheidung verpassten, schlug Saarbrücken in der Nachspielzeit zurück.

Philipp Fahrner rettete den Drittligisten mit seinem Treffer zum 1:1 in die Verlängerung. Dort fiel keine Entscheidung, sodass das Elfmeterschießen über den Einzug in die zweite Runde entscheiden musste.

Hertha BSC startet dominant in Saarbrücken

Die Berliner übernahmen von Beginn an die Kontrolle.

Bereits in der vierten Minute hatte Hertha die erste große Gelegenheit. Josip Brekalo legte den Ball im Strafraum in den Lauf von Deyovaisio Zeefuik, der aus guter Position abschloss. Saarbrückens Torhüter Kevin Broll reagierte jedoch stark und verhinderte die frühe Führung.

Hertha blieb am Drücker und ließ den Ball sicher durch die eigenen Reihen laufen. Saarbrücken musste viel hinterherlaufen und bekam zunächst kaum Zugriff auf die Partie.

Nach rund einer Viertelstunde wurde es erneut gefährlich.

Zeefuik kam am Strafraumeck frei zum Abschluss und zirkelte den Ball in Richtung des langen Ecks. Diesmal rettete die Latte für den FCS.

Auch der Nachschuss von Jon Thorsteinsson hätte beinahe zum 1:0 geführt, doch Broll brachte noch die Finger an den Ball und verhinderte erneut den Rückstand.

Saarbrücken findet erst spät ins Spiel

Der Drittligist wirkte in der ersten halben Stunde beeindruckt vom selbstbewussten Auftreten der Berliner.

Saarbrücken konzentrierte sich zunächst fast ausschließlich auf die Defensive und wagte sich nur selten über die Mittellinie. Erst nach rund 35 Minuten gelang es den Gastgebern, selbst für Gefahr zu sorgen.

Ein langer Ball erreichte Abed Nankishi, der sich im Strafraum gegen Zeefuik behauptete, anschließend jedoch ins Straucheln geriet. Schiedsrichter Benjamin Brand ließ die Partie weiterlaufen.

Die Szene zeigte dem FCS allerdings, wie die Berliner Defensive zu knacken war.

Saarbrücken suchte nun häufiger den schnellen Nankishi. In der 42. Minute setzte sich der Flügelspieler mit einer sehenswerten Drehung gegen Zeefuik durch und tauchte frei vor dem Berliner Tor auf.

Sein Abschluss landete allerdings genau bei Marius Gersbeck.

0:0 zur Pause – für Hertha deutlich zu wenig

Trotz klarer spielerischer Vorteile ging Hertha ohne Führung in die Kabine.

Das 0:0 schmeichelte den Gastgebern, denn die Berliner hatten mehrere gute Möglichkeiten ausgelassen. Gleichzeitig hatte Saarbrücken kurz vor der Pause gezeigt, dass der Favorit bei schnellen Umschaltaktionen verwundbar blieb.

Nach dem Seitenwechsel setzte Hertha seine offensive Linie fort.

Kevin Sessa hatte unmittelbar nach Wiederbeginn gleich zwei Möglichkeiten zur Führung.

In der 51. Minute kam der Mittelfeldspieler aus rund zehn Metern zum Abschluss, scheiterte jedoch an Broll. Nur vier Minuten später versuchte es Sessa aus etwa 20 Metern. Diesmal war Saarbrückens Torhüter geschlagen, doch der Ball flog knapp am Gehäuse vorbei.

Hertha vergibt Chance um Chance

Die Berliner blieben die spielbestimmende Mannschaft.

In der 62. Minute setzte Sessa zu einem schnellen Dribbling an und suchte den direkten Weg zum Tor. Sein Abschluss war jedoch nicht platziert genug und wurde erneut von Broll pariert.

Nur zwei Minuten später bot sich Thorsteinsson die nächste Möglichkeit. Der Berliner kam im Strafraum zum Abschluss, setzte seinen Schlenzer jedoch am Tor vorbei.

Zu diesem Zeitpunkt hätte Hertha längst führen müssen.

Stattdessen blieb Saarbrücken im Spiel – bis Paul Seguin die Berliner schließlich doch erlöste.

Traumtor von Paul Seguin bringt Hertha in Führung

In der 69. Minute landete ein abgewehrter Ball rund 25 Meter vor dem Saarbrücker Tor bei Seguin.

Der Mittelfeldspieler zögerte nicht lange und zog direkt ab.

Sein Schuss schlug unhaltbar im linken oberen Eck ein. Broll war diesmal ohne Abwehrchance.

Hertha BSC führte mit 1:0.

Nach zahlreichen vergebenen Möglichkeiten war die Führung hochverdient.

Nur zwei Minuten später hätte Julian Eitschberger bereits für eine Vorentscheidung sorgen können. Nach einer Hereingabe stand der Rechtsverteidiger frei vor dem Tor, traf den Ball mit dem Kopf jedoch nicht richtig.

Saarbrücken wird mutiger

Mit dem Rückstand musste der Drittligist seine defensive Haltung aufgeben.

Trainer und Mannschaft erhöhten das Risiko, Saarbrücken rückte weiter nach vorne und versuchte nun, Hertha stärker unter Druck zu setzen.

Der eingewechselte Kelsey Owusu hatte in der 76. Minute plötzlich die Chance zum Ausgleich. Zeefuik verhinderte den Abschluss allerdings mit einem starken Tackling.

Auf der Gegenseite bot sich Zeefuik wenig später die große Gelegenheit, das Spiel endgültig zu entscheiden.

Der Niederländer kam völlig frei in zentraler Position zum Abschluss, setzte den Ball jedoch links am Pfosten vorbei.

Es war eine weitere vergebene Großchance – und sie sollte sich rächen.

Fahrner schockt Hertha in der Nachspielzeit

Hertha hatte das Spiel über weite Strecken kontrolliert, aber seine Möglichkeiten nicht konsequent genutzt.

In der Nachspielzeit bekam die Mannschaft dafür die Quittung.

Nach einer Ecke von der rechten Seite wurde der Ball zentral vor den Berliner Strafraum abgewehrt. Philipp Fahrner nahm die Kugel direkt.

Der Schuss setzte noch einmal auf und schlug rechts unten im Tor ein.

1:1 in der 90.+2 Minute.

Für Hertha war der Treffer ein Schock. Nur wenige Augenblicke hatten die Berliner vom Einzug in die nächste Pokalrunde getrennt.

Stattdessen ging die Partie in die Verlängerung.

Hertha auch in der Verlängerung näher am Sieg

Auch während der zusätzlichen 30 Minuten hatte Berlin mehr Ballbesitz und die besseren Möglichkeiten.

Die größte Gelegenheit bot sich Luca Schuler in der 112. Minute.

Nach einer Flanke von der linken Seite kam der Stürmer aus kurzer Distanz zum Abschluss, scheiterte jedoch an Broll.

Auch Brekalo konnte den anschließenden Nachschuss nicht im Saarbrücker Tor unterbringen.

Damit hatte Hertha auch in der Verlängerung die Chance auf die Entscheidung vergeben.

Nach 120 Minuten musste das Elfmeterschießen entscheiden.

Gersbeck wird zum Hertha-Helden

Nun begann die Nervenschlacht vom Punkt.

Hertha durfte vorlegen und präsentierte sich bei den eigenen Strafstößen konzentriert.

Saarbrückens zweiter Schütze Florian Pick scheiterte dagegen an Gersbeck. Der Berliner Torhüter ahnte die Ecke und parierte den Strafstoß.

Damit hatte Hertha erstmals einen entscheidenden Vorteil.

Die Berliner Schützen blieben anschließend souverän. Sessa traf als vierter Hertha-Schütze und erhöhte den Druck auf Saarbrücken noch einmal erheblich.

Dann trat Kai Brünker an.

Der Saarbrücker setzte seinen Strafstoß durchaus ordentlich, doch Gersbeck reagierte erneut stark und parierte auch diesen Versuch.

Damit war die Entscheidung gefallen.

Hertha rettet sich in die zweite Runde

Hertha BSC hatte den Einzug in die zweite Runde des DFB-Pokals geschafft – allerdings deutlich mühsamer, als es nach dem Spielverlauf lange Zeit notwendig gewesen wäre.

Die Berliner hatten das Spiel über weite Strecken kontrolliert und zahlreiche Möglichkeiten herausgespielt. Doch die mangelhafte Chancenverwertung brachte den Favoriten beinahe um das Weiterkommen.

Saarbrücken nutzte seine Gelegenheit in der Nachspielzeit eiskalt und erzwang die Verlängerung.

Im Elfmeterschießen zeigte sich dann die individuelle Klasse von Marius Gersbeck. Mit zwei gehaltenen Strafstößen avancierte der Torhüter zum entscheidenden Mann des Abends.

Für Saarbrücken endete der Pokalabend dagegen bitter. Der Drittligist hatte lange Zeit wenig vom Spiel, kämpfte sich aber zurück und stand am Ende nur wenige Elfmeter von der nächsten Pokalüberraschung entfernt.

Hertha durfte letztlich aufatmen.

Nach 120 intensiven Minuten und einem dramatischen Elfmeterschießen stand der Zweitligist in der zweiten Runde des DFB-Pokals – und hatte dies vor allem seinem Torhüter Marius Gersbeck zu verdanken.

Tore

0:1 Paul Seguin (69. Minute)
1:1 Philipp Fahrner (90.+2)

Hertha BSC gewann anschließend im Elfmeterschießen.


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