27 Oktober 2021

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Frauenpower auf dem Wertstoffhof: Ayla Sauer im Interview

Frauenpower prägt die Spitze der Stadtwerke Offenbach Unternehmensgruppe: Obwohl nur etwa ein Viertel der Belegschaft weiblich ist, sind in dem achtköpfigen Geschäftsführungsteam fünf Frauen, und bei den Prokuristinnen und Prokuristen hat die SOH fünf von neun Stellen weiblich besetzt. Insgesamt setzt die Unternehmensgruppe in ihren vier Geschäftsfeldern Immobilien, Mobilität, Stadtservice und Veranstaltungen auf Chancengleichheit und Familienfreundlichkeit und möchte als einer der größten Arbeitgeber in Offenbach noch mehr Frauen ins Team holen. Anlässlich des internationalen Frauentages am 8. März 2020 stellen wir hier eine Kollegin vor, die seit vier Jahren im Männer dominierten Geschäftsfeld Stadtservice nicht nur ganz Offenbach aufräumt, sondern auch als stellvertretende Leitung des Wertstoffhofs für eine ganze Abteilung zuständig ist. 

Die studierte Umweltmanagerin Ayla Sauer ist seit 2016 Teil des Wertstoffhof-Teams. Als Vertreterin des Abteilungsleiters kümmert sie sich darum, „dass der Laden läuft“, organisiert, überwacht, dokumentiert und verbessert Abläufe, hat immer ein Ohr für ihre Kollegen und Kolleginnen, weißt Bürger die Abfälle anliefern fachkundig an und berät sie rund um alle Fragen zur Abfallwirtschaft, sitzt aber auch mal selbst an der Waage oder im Gabelstapler. Sie trägt mit dazu bei die Qualitätsstandards eines Entsorgungsfachbetriebes sicherzustellen und die Anforderungen aus der Betriebsgenehmigung einzuhalten. Wie sie sich als junge Frau in einem von Männern dominierten Geschäftsfeld fühlt, hat sie uns erzählt.  

Seit wann sind Sie beim Stadtservice und dem Wertstoffhof?

Ich bin im August 2016 in die Unternehmensgruppe gekommen und habe direkt beim Wertstoffhof als stellvertretende Leiterin angefangen. Davor habe ich Umweltmanagement in Gießen an der Justus-Liebig-Universität studiert und mit einem Bachelor abgeschlossen.

Was reizt Sie am Thema Entsorgung?

Ich finde die Vielfalt der Dinge, die zu uns auf den Wertstoffhof gebracht werden, faszinierend. Spannend ist auch die Frage der Zukunft: Offenbach wächst, der Müll nimmt zu. Wie kann damit in Zukunft umgegangen werden, und ist die Vermeidung von Müll eine Alternative?

Wie werden Sie als weibliche Führungskraft wahrgenommen? 

Am Anfang war es für die Kollegen schon ungewohnt nach 40 Jahren mit einem männlichen Chef plötzlich eine Frau, jung und frisch von der Uni, vor sich zu haben. Nachdem ich mich hier eingearbeitet und ziemlich viele Bereiche vertieft habe, beispielsweise die Annahme, die Waage, Stapler fahren, das Abfallrecht, wuchs bei den Mitarbeitern die Akzeptanz. Vor allem weil sie gemerkt haben, dass eine Frau die gleichen Dinge kann und macht wie die männlichen Kollegen.

Ich wurde ich schon einige Male von Besuchern verständnislos angeschaut, die nicht glauben wollten, dass eine junge Frau (28), klein (158 cm), hier am Hof was zu sagen haben soll. Aber ich gehe damit locker um.

Was schätzen Ihre Mitarbeiter an Ihnen und Ihrer Arbeitsweise?

Der frische Wind, den ich in das Team gebracht habe, kam bei den meisten ganz gut an, glaube ich. Ich denke, dass die Bürotür fast immer offen steht und ich mir die Anliegen und Ideen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anhöre, wird geschätzt. Ich bin neugierig und möchte alle Arbeitsschritte kennen. Diese Neugier verschafft mir Verständnis und Akzeptanz.

Fühlen Sie sich immer ernst genommen?

Ab und zu kommt es vor, dass man nicht ernst genommen wird. Ich nehme das aber nicht persönlich. Denn im ständigen Kundenkontakt ergeht es uns allen so, dass jemand nicht damit einverstanden ist, welche Regeln auf dem Hof gelten. Wir unterstützen uns dann gegenseitig. Oft gibt es auch Sprach- oder Verständnisprobleme, und es herrscht viel Unwissenheit über Abfalltrennung und die Kosten, die die Entsorgung noch betreffen.

Was lieben Sie an Ihrem Job? 

Ich liebe an meinem Job die Vielfalt und Abwechslung. An einem Tag brüte ich über Abfallmengen in Excel, und an einem anderen gehe ich auf Schulung und lerne, wie die gefährlichen Schadstoffe in der Schadstoffannahmestelle richtig angenommen, verpackt und gelagert werden. Wieder an einem anderen Tag fällt ein Kollege oder eine Kollegin aus und ich sitze an der Waage oder vertrete kurz in der Mittagspause den Staplerfahrer.

Was sind Ihre täglichen und langfristigen Aufgaben?

Zu meinen täglichen Aufgaben gehört viel Organisation, wie Statistiken, Dokumentation und alles was nötig ist, damit der „Betrieb läuft“. Dies beinhaltet die Personalplanung, aber auch die Leistungskontrolle. Mindestens ein täglicher Rundgang auf dem Gelände ist normal.

Wenn Material benötigt wird, hole ich dieses aus dem Lager oder bestelle neues. Wenn ein Unfall mit den Maschinen passiert, nehme ich diesen auf und gebe es an die Fachabteilungen weiter. Meine langfristigen Aufgaben sind mein Fachwissen anzuwenden und damit auch die Rechtslage einzuhalten. Der Hof wurde mit einer gewissen Genehmigung eröffnet und diese muss eingehalten werden. Wir müssen hier bestimmte Lagermengen einhalten, dafür führen wir Statistik und überprüfen die Mengen, die in den Hof gefahren werden und wieder raus.

Als Führungskraft ist man ja häufig auch Vorbild. Können Sie sich auch vorstellen, Vorbild für Mädchen und junge Frauen zu sein, die kurz vor der Berufswahl stehen?

Ja. Ich möchte immer mit gutem Beispiel voran gehen. Jeder sollte das machen, was er gerne tut oder sogar liebt. Und am Ende ist man glücklich.

Haben Sie sich schon immer für Werkzeug, Fahrzeuge, Technik etc. interessiert und haben sie vielleicht auch privat ein Hobby oder eine Leidenschaft dafür?

Ja, ich habe mich schon sehr früh für Technik interessiert. Ich bin viel mit meinem Bruder draußen gewesen und habe die Welt entdeckt. Oder habe mit meinem Vater in der Werkstatt gebaut. Keine Maschine ist zu kompliziert. Man muss nur offen und neugierig sein. Für mich ist das sogar der beste Teil meiner Arbeit, wenn man mal Zeit hat, auf der Maschine zu sitzen.

Das Geschäftsfeld Stadtservice der Stadtwerke Offenbach Unternehmensgruppe

Mit ihrem Geschäftsfeld Stadtservice sorgt die Stadtwerke-Gruppe für ein gepflegtes Stadtbild in Offenbach. Zu den Entsorgungs- und Dienstleistungsunternehmen gehören die ESO Stadtservice GmbH als hundertprozentige Tochter der SOH und der ESO Eigenbetrieb Stadt Offenbach – Kommunale Dienstleistungen. Rund 380 Mitarbeiter erbringen jeden Tag wichtige Beiträge zur Lebensqualität in Offenbach: Sie leeren Mülltonnen, reparieren und kehren die Straßen. Sie pflegen Grünanlagen, kümmern sich um die fünf städtischen Friedhöfe, die städtischen Zierbrunnen, den Hochwasserschutz sowie das städtische Kanalnetz und leisten den Winterdienst.

Original Content Stadt Offenbach

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