Prestigesieg vor Traumkulisse: Die deutsche Frauen-Nationalmannschaft hat vor 77.768 Zuschauern im Londoner Wembley-Stadion ein 2:1 (1:1) gegen den WM-Vierten England gefeiert. Alexandra Popp (9.) und Klara Bühl (90.) trafen beim Jahresabschluss für das Team von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg. Ellen White hatte für den EM-Gastgeber 2021 den zwischenzeitlichen Ausgleich (44.) erzielt.

Für Deutschland war es der 21. Erfolg gegen die Lionesses im 26. Aufeinandertreffen. Zwar wurde der Europarekord für ein Frauen-Länderspiel knapp verpasst – beim Olympiafinale 2012 kamen 80.203 Zuschauer in den Kulttempel – doch die Atmosphäre war beeindruckend. Die Fans feierten beide Teams lautstark und mitLa-Ola-Welle.

Sophia Kleinherne feiert Premiere

Die Bundestrainerin hatte zu Beginn für eine kleine Überraschung gesorgt. Sophia Kleinherne vom 1. FFC Frankfurt durfte im Wembley-Stadion ihre Premiere in der A-Nationalmannschaft geben. Im Tor vertrat Merle Frohms die derzeit verletzte Almuth Schult, die Viererkette wurde durch Sara Doorsoun, Lena Oberdorf und Kathrin Hendrich komplettiert. Im Mittelfeld agierten Dzsenifer Marozsan und Sara Däbritz auf der Doppelsechs, davor bildeten Klara Bühl, Lina Magull und Sandra Starke, die ihr zweites A-Länderspiel bestreiten durfte, die Offensvreihe. Einzige Spitze war die wiedergenesene Kapitänin Popp.

Die junge deutsche Mannschaft ließ sich von der atemberaubenden Kulisse, zu der auch eine hochrangige DFB-Delegation um Präsident Fritz Keller gehörte, nicht beeindrucken und presste früh gegen den Ball. Oberdorf erkämpfte sich in der dritten Minute am Mittelkreis den Ball, legte nach starkem Antritt auf Popp ab, die vom linken Strafraumeck mit einem satten Schuss die Latte traf. Nur sechs Minuten später jubelte das deutsche Team: Über Marozsan und Bühl wurde Hendrich schön freigespielt, die Flanke nahm Popp direkt und brachte Deutschland in der neunten Minute mit einem Flugkopfball verdient mit 1:0 in Führung.

Bei den Engländerinnen herrschte in der Offensive hingegen Flaute, was allerdings auch an der konsequenten und konzentrierten Defensivarbeit der gesamten deutschen Mannschaft lag. Mit enormer Laufleistung und Präsenz in den Zweikämpfe, kaufte das DFB-Team den Lionesses den Schneid ab. Oberdorf (17.) und zweimal Bühl (21., 24.) hatten die Chancen, auf 2:0 zu erhöhen, vergaben jedoch jeweils knapp.

Frohms pariert Elfmeter glänzend

Die große Chance auf den Ausgleich ergab sich für England in der 36. Minute, nachdem Schiedsrichterin Stephanie Frappart aus Frankreich auf den Elfmeterpunkt zeigte. Doch Frohms parierte den Strafstoß von Lyons Nikita Parris glänzend. Die Großchance der Gastgeberinnen wirkte aber wie ein Weckruf. Denn nun war das Team von Trainer Phil Neville energischer, kombinierte besser als noch in den ersten 25. Minuten und setzte die DFB-Frauen unter Druck. Die Konsequenz war der Ausgleich durch Ellen White Sekunden vor dem Halbzeitpfiff (44.).

Martina Voss-Tecklenburg musste in der Pause verletzungsbedingt wechseln. Marina Hegering ersetzte die in Hälfte eins stark agierende Oberdorf. Es entwickelte sich nun eine ausgeglichene Partie mit leichten Vorteilen für Deutschland. Ein Schuss von Marozsan von der Strafraumkante parierte Mary Earps im englischen Tor stark (52.), ein vermeintlicher Treffer von Magull wurde in der 63. Minute wegen Abseits zurückgepfiffen.

In der Schlussphase warfen beide Teams alles nach vorne, beide wollten unbedingt den Sieg. Den letzten Punch setzte aber die deutsche Mannschaft – Klara Bühl machte in den Schlussminuten alles klar.

Nächstes Pflichtspiel erst im April

In Gedenken an die Opfer von Kriegen sind beide Teams mit besonderen Armbinden aufgelaufen. Das Motiv der roten Mohnblüten auf schwarzen Grund – die so genannten “Poppies” –  ist ein Symbol für die Erinnerung an die Opfer kriegerischer Konflikte. Schon im November 2017 waren die Männer-Nationalmannschaften beider Länder mit Poppies aufgelaufen, an diese Tradition wurde nun angeknüpft.

Ihre nächsten Pflichtspiele bestreiten die DFB-Frauen erst im April, wenn es in der EM-Qualifikation mit den Duellen gegen Irland und Montenegro weitergeht. Zuvor steht im März die Teilnahme am Algarve-Cup auf dem Programm.

Quelle: DFB.de