27 November 2021

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50. Todestag des Soziologen und Philosophen Theodor W. Adorno: ‚Es gibt kein richtiges Leben im falschen.‘

Oberbürgermeister Feldmann legt auf Hauptfriedhof Ehrenkranz nieder

Anläßlich des 50. Todestages von Theodor Wiesengrund Adorno am 6. August legte Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann am Grab des gebürtigen Frankfurters einen Kranz nieder. Es sei auch Adorno zu verdanken, dass „unsere Stadt zu ihrem liberalen, weltoffenen und selbstkritischen Geist zurückgefunden hat, den sie 1933 erschreckend bereitwillig und schnell von sich geworfen hatte“, so der Oberbürgermeister vor den Trauergästen. „Unsere Stadt verdankt dem großen Soziologen, Philosophen und Musiktheoretiker viel ,“ betonte Feldmann.

Adorno wurde 1903 geboren und wuchs in einer liberalen Bürgerfamilie mit jüdischen Wurzeln auf. Als junger Mann habe er seine Geburtsstadt als Quell intellektueller Anregungen und neuer politischer Ideen erlebt. In den 1930er Jahren habe sich diese anregende Atmosphäre aber ins Gegenteil verkehrt. Die Nationalsozialisten hätten Adorno in doppelter Hinsicht als Gegner betrachtet. So sei er in den Kategorien der neuen Machthaber ein „Halbjude“ gewesen, seine politisch links orientierte Gesellschaftskritik habe ihn zum „volksverräterischen Kommunisten“ gemacht, erläuterte Oberbürgermeister Feldmann.

Adorno sei nach Großbritannien gegangen, nachdem ihm die Nazis in seiner Heimatstadt Frankfurt die Lehrbefugnis entzogen hatten. Später sei er in die Vereinigten Staaten emigrierte wo er seine Arbeit gemeinsam mit den ehemaligen Frankfurter Kollegen Max Horkheimer, Friedrich Pollok und anderen fortgesetzt habe.

Als mit dem Kriegsende das ganze Ausmaß der nationalsozialistischen Verbrechen klar geworden sei, habe der erschütterte Adorno zu einer grundsätzlichen Kritik am Konzept der Aufklärung angesetzt. Mit der „Minima Moralia“ habe er eines seiner Hauptwerke entwickelt, dem auch sein wohl berühmtester Satz entstamme: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“. „Auschwitz war für Adorno ein Einschnitt, nach dem nichts mehr so war und sein konnte wie zuvor,“ sagte der Oberbürgermeister.

1953 kehrte der Denker dauerhaft nach Frankfurt zurück, wo er gemeinsam mit Max Horkheimer das Institut für Sozialforschung wiederaufbaute. Seine „Frankfurter Schule“ bereicherte das akademische Leben in der Stadt neu und lieferte der jungen Bundesrepublik zahlreiche intellektuelle Impulse.

Es sei auch Adorno und der Frankfurter Schule zu verdanken, dass die protestierenden Studenten 1968 die Aufarbeitung des Nationalsozialismus gefordert hätten. Die langfristigen Folgen des Jahres 1968, die Liberalisierung der bundesrepublikanischen Gesellschaft, erlebte Adorno nicht mehr. Er starb am 6. August 1969 während seines Sommerurlaubs in der Schweiz. Adornos Denken lebe in der bundesdeutschen wie der Frankfurter Nachkriegsgesellschaft fort. „Bis heute fasziniert sein Werk und es ist erstaunlich aktuell. Wenn wir heute Theodor W.Adornos gedenken, dann tun wir dies in tiefer Dankbarkeit“, sagte der Oberbürgermeister.

„Theodor W. Adorno ist einer der bedeutendsten Wissenschaftler der Goethe-Universität. Sein Werk prägt die Goethe-Universität bis heute nachhaltig. An seinem 50. Todestag gedenken wir seiner mit Respekt und Bewunderung als Begründer der Frankfurter Schule, die insbesondere durch ihn zu einer wichtigen sozialphilosophischen Strömung mit weltweiter Ausstrahlung geworden ist. Adorno war Frankfurter durch und durch. Er hat das geistige Klima in unserer Stadt maßgeblich beeinflusst“, sagte der Vizepräsident der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität, Manfred Schubert-Zsilavecz.

Quelle: Pressemeldung der Stadt Frankfurt am Main

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